

Handschriftliche Programmierarbeit von Ursula Hill (später Hill-Samelson) am "ALCOR S 2002 Modellübersetzer", einem 1962 von Hill und Hans Langmaack entwickelter ALGOL 60-Compiler für die Siemens 2002 Rechenanlage. Gut erkennbar ist die durch Einrücken veranschaulichte logische Struktur. Der von Hill verfasste Pseudocode musste anschließend noch von Hand in Assemblersprache übersetzt und auf Lochstreifen übertragen werden, um maschinenlesbar zu sein. Bild: Deutsches Museum
Digitale Technik- und Wissenskulturen
Edition Wissenschaftliche Software (Arbeitsstelle München)
Die Geschichte wissenschaftlicher Software ist ein bislang unzureichend erforschtes Kapitel der Wissenschafts- und Technikgeschichte. Als Instrument wissenschaftlicher Erkenntnis und Teil des digitalen Kulturerbes drohen ihre historischen Quellen verloren zu gehen. Als Teil des auf 21 Jahre angelegten Verbundprojekts „Edition Wissenschaftliche Software (EWS)“ (2026–2046) erforscht die Arbeitsstelle München am Forschungsinstitut des Deutschen Museums die historischen Basisschichten des wissenschaftlichen Rechnens anhand von vier technikhistorischen Fallbeispielen.
Inhalt
EWS Arbeitsstelle München – Basistechnologien des Scientific Computing (Forschungsinstitut des Deutschen Museums / LMU München)
Gefördert von
Union der deutschen Akademien der Wissenschaften
- Digitale Technik- und Wissenskulturen
Bearbeitet von
PD Dr. Ulf Hashagen
Leitung Hauptabteilung Forschungsinstitut
Prof. Dr. Helmuth Trischler
Senior Researcher, ehemaliger Bereichsleiter ForschungWissenschafts-, Technik- u. Umweltgeschichte
Dr. Andrea Reichenberger
Leiterin Projekt EWSForschungsinstitut
Dr. Stefan Esselborn
Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt EWSForschungsinstitut
Projektbeschreibung
Nahezu jede moderne wissenschaftliche Disziplin ist heute digitalisiert. Computersimulationen, mathematische Modelle und Algorithmen prägen zentrale Erkenntnisprozesse. Wissenschaftliche Software ist ein unverzichtbares Forschungsinstrument und Teil unseres digitalen Kulturerbes.
Aufgrund technologischer Veraltung, obsoleter Hardware und verfallender Datenträger droht diese Überlieferung unwiederbringlich verloren zu gehen. EWS schließt diese Lücke durch die systematische Erfassung, Archivierung und kritische Edition wissenschaftlicher Software von 1950 bis 2010.
Fokus München: Basistechnologien
Die Arbeitsstelle München erschließt die historischen Basisschichten des wissenschaftlichen Rechnens anhand von vier technikhistorischen Fallbeispielen:
1. ALGOL: Algorithmic Language
Erschließung und Dokumentation der Entstehung und Implementierung von ALGOL (besonders ALGOL 60), einer bahnbrechenden frühen Programmiersprache für wissenschaftlich-mathematische Berechnungen.
2. Computeralgebrasysteme (CAS)
Historische Untersuchung der Entstehung und Entwicklung von Softwaresystemen zur symbolischen und algebraischen Manipulation mathematischer Ausdrücke.
3. Finite-Elemente-Methoden (FEM)
Erforschung der Entwicklung von Software und numerischen Verfahren zur Lösung komplexer physikalischer Differentialgleichungen in den Ingenieurwissenschaften.
4. Computational Fluid Dynamics (CFD)
Technikhistorische Untersuchung der Entstehung von Simulationssoftware und Algorithmen zur numerischen Strömungsmechanik.
Forschungsdesign & Methoden
Das interdisziplinäre Forschungsdesign verknüpft drei komplementäre Methoden:
• Systematische Archivforschung: Bündelung disparater und verstreuter handschriftlicher und digitaler Quellen in institutionellen und privaten Archiven (insb. im Archiv des Deutschen Museums).
• Oral-History-Interviews: Semistrukturierte Leitfadeninterviews mit Zeitzeugen und Softwareentwicklern zur Erfassung informeller Praktiken.
• Partizipative Ansätze: Erprobung partizipativer Erschließungs- und Kontextualisierungsmethoden für bislang unerschlossene Bestände.
Gesamtprojekt-Hinweis:
Das Vorhaben ist ein Verbundprojekt. Die übergreifende Koordination und weitere Arbeitsstellen befinden sich in Aachen (RWTH) und Bielefeld (Uni Bielefeld). Vollständige Profile finden Sie auf der Haupt-Projektseite
Weiterführende Links
Logos der beteiligten Akademien und Förderer
Weiterführende Links
Offizielle Projekt-Website (EWS Gesamtprojekt)
https://www.edition-software.netForschungsinstitut des Deutschen Museums
https://www.deutsches-museum.de/forschung/forschungsinstitutSoftware Heritage Archive
https://www.softwareheritage.orgSoftware Metadata Preservation Network (SMRF)
https://www.softwarepreservationnetwork.org









