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Ein Priester, der für einen Motorroller betet, ein Soldat, der in seinem Geländewagen von der Front zurückkehrt oder ein Musiker, der in seinem Auto lebt: Der niederländische Fotograf Martin Roemers hat Menschen mit ihren Fahrzeugen auf der ganzen Welt für sein Projekt „Homo Mobilis“ porträtiert. Insgesamt sind in der gleichnamigen Sonderausstellung 37 teils lebensgroße Fotografien auf 320 Quadratmetern zu sehen. Die Aufnahmen sind ein beeindruckendes Zeugnis unserer Mobilitätskultur. Ab Freitag, 24. April, ist die Ausstellung im Verkehrszentrum des Deutschen Museums zu sehen.

„Die Ausstellung passt hervorragend zu uns“, sagt Michael Decker, Generaldirektor des Deutschen Museums. „Denn wir zeigen im Verkehrszentrum ja nicht nur Fahrzeuge und ihre Geschichte, sondern auch, wie Technologie, Gesellschaft und Kultur miteinander verwoben sind. Und das wird in der Ausstellung wirklich beeindruckend deutlich.“

Mitunter zeigen die Bilder ganz ohne Worte, wer die Besitzer der Fahrzeuge sind, wo sie herkommen und was sie beruflich machen. Und was ihnen ihr Auto bedeutet. „Für manche ist ein Auto nur ein Mittel zum Zweck, für andere ist es ein wichtiger Teil ihrer Persönlichkeit, sagt Martin Roemers. Er fotografiert die Fortbewegungsmittel und ihre Fahrer und Fahrerinnen vor einem weißen Hintergrund – ohne geografischen oder sozialen Kontext. So sprechen die Bilder für sich selbst und lassen zugleich tief in das Verhältnis von Menschen und ihren Gefährten blicken. „Roemers hat es geschafft, den Menschen in die Seele zu schauen. Wenn man auf die Fotos blickt, erzählen einem die Leute sofort eine Geschichte“, sagt Frank Zwintzscher, Kurator im Verkehrszentrum.

Der zweimalige World-Press-Photo-Preisträger Roemers ist 63 und war schon als Kind begeistert von der „Persönlichkeit“ von Fahrzeugen. Diese Faszination teilt er nun mit seinem Publikum. Er zeigt Aufnahmen aus vielen Ländern und fahrbaren Untersätzen aller Art, etwa vom umgebauten Tuk Tuk eines Hühnerverkäufers über von Hand gezogenen Rikschas in Indien bis hin zu einem Chevrolet in den USA. Auch Fotografien aus Deutschland findet man in der Sammlung. Der Fotograf reiste zwischen 2019 und 2025 mit einem mobilen Fotostudio durch die Welt und sprach unterwegs einfach Menschen an, ob er sie ablichten dürfe. „Die Idee zu Homo Mobilis ist eigentlich während eines anderen Projektes entstanden. Roemers entdeckte dabei ein Auto, das als Werbefläche für einen Teppichreparateur in Mumbai diente. Er versuchte, das Auto zu fotografieren, aber irgendetwas hat einfach nicht gestimmt. Dann wurde ihm klar, dass ihm der Mensch dazu fehlt“, erklärt Frank Zwintzscher. 

„Homo Mobilis“ kommt mit einem Minimum an Text aus. Alle Fotos sind nur mit den Vornamen der abgelichteten Personen, deren Beruf, der Marke des Fahrzeugs und dem Ort der Aufnahme versehen. „Der Rest passiert im Kopf. Die Fotos wirken ein bisschen wie Wimmelbilder: Man entdeckt immer neue Details “, sagt Zwintzscher. Ergänzt werden die Fotos mit Audiokommentaren des Künstlers und einem Video mit Hintergrundinformationen zum Projekt. „Wir erklären verhältnismäßig wenig und überlassen es den Betrachtenden selbst, ob sie in den Bildern nach den kulturellen Hintergründen suchen möchten oder sich nur Menschen mit ihren Fahrzeugen ansehen wollen. Denn man erkennt unterschiedliche Dinge in den Fotos, je nachdem, welche Bezüge man selbst mitbringt“, so der Kurator.

Die Fahrzeuge stehen zwar im Zentrum der Bilder, aber erst der Blick auf die Besitzerinnen und Besitzer erzählt die ganze Geschichte dazu. „Wenn man die Porträts nebeneinander sieht, fallen einem die vielen kulturellen und sozialen Unterschiede zwischen den Menschen auf. Doch wenn man genauer hinschaut, sieht man auch ihre Gemeinsamkeiten. Wenn ich die Porträts betrachte, sehe ich, dass wir Menschen aus der ganzen Welt uns eigentlich ähnlicher sind, als wir oft denken“, sagt Roemers.

 „Homo Mobilis“ ist eine Hommage. Eine Hommage an die Beziehungen zwischen Fahrzeugen und ihren Besitzerinnen und Besitzern. „Für Roemers sind die Bilder auch Ausdruck eines langsamen Abschieds von der materiellen Bedeutung der Fahrzeuge, die als Symbol für Freiheit und Status die globale Automobilkultur im 20. Jahrhundert geprägt haben. Wer genau hinschaut, kann auf den Bildern erkennen, wie diese motor culture sich heute weltweit im Wandel befindet“, so Zwintzscher. 

„Homo Mobilis – Mensch & Mobil“ ist vom 24. April bis 31. Oktober 2026 auf der Galerie in der Halle III des Verkehrszentrums zu sehen. 

Zur Person
Martin Roemers wurde 1962 in Oldehove in den Niederlanden geboren. Er machte seinen Abschluss in Fotografie an der AKI (Akademie für Kunst und Industrie) in Enschede – heute lebt er in Delft. Roemers startete seine Karriere mit journalistischer Fotografie, mittlerweile ist er durch seine Langzeitprojekte und die daraus hervorgehenden Publikationen und Ausstellungen bekannt. Neben zahlreichen anderen Preisen gewannen seine Projekte auch zwei World Press Photo Awards; The Never-Ending War (2006), bei dem er Kriegsveteranen aus dem Zweiten Weltkrieg porträtierte, und Metropolis (2011), bei dem er das Leben in Megastädten auf der ganzen Welt einfing. Seine Projekte bilden oft großen gesellschaftlichen Wandel im Kleinen ab und lassen den Betrachtenden Raum zur Interpretation. Roemers Werke werden in Museen international ausgestellt und gesammelt, etwa im Rijksmuseum in Amsterdam oder im Museum of Fine Arts in Houston.

Bild 1/5

Qinfang und Enkel (Chang Li)/ Shanghai, China

Frei zur Veröffentlichung nur mit dem Vermerk

Foto: Martin Roemers

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Bild 2/5

Aïcha, Yvonne, Fatimata und Becaye, Autoverkäuferinnen (Mini)/Dakar, Senegal

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Foto: Martin Roemers

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Bild 3/5

Zenovyl, Lkw-Fahrer; Vasil, Assistent (ZIL)/Lviv, Ukraine

Frei zur Veröffentlichung nur mit dem Vermerk

Foto: Martin Roemers

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Bild 4/5

Blick in die Sonderausstellung “Homo Mobilis”.

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Foto: Deutsches Museum

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Bild 5/5

Martin Roemers in der Sonderausstellung “Homo Mobilis”.

Frei zur Veröffentlichung nur mit dem Vermerk

Foto: Deutsches Museum

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