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Wie funktioniert ein Raumanzug? Wie hat er sich über die Jahrzehnte hinweg entwickelt? Welche Rolle spielt er als Symbolobjekt? Und was werden die Anzüge der Astronauten von morgen können? All das zeigt die Sonderausstellung „Inside the Suit“ ab 22. Mai in der Flugwerft Schleißheim. Es gibt viele beeindruckende Exponate zu sehen – und man erfährt, wie das Leben und Arbeiten im All wirklich ist. Die Ausstellung ist das Ergebnis einer außergewöhnlichen Kooperation: Gymnasiasten der Wilhelm-Löhe-Schule in Nürnberg haben die Inhalte gemeinsam mit dem Hermann-Oberth-Raumfahrt-Museum in Feucht erarbeitet.

Gleich im Eingangsbereich wartet das älteste Exponat der Ausstellung auf die Besucher: Es ist der Anzug einer sowjetischen Kosmonautin, die als Ersatz für Walentina Tereschkowa gedacht war. Tereschkowa war 1963 die erste Frau im All. Solche Anzüge, in denen die Kosmonautinnen damals trainierten, waren damit auch die ersten Raumanzüge speziell für Frauen. Am rechten Unterarm des Anzugs ist übrigens ein kleiner Spiegel eingebaut. „Nein, das ist kein Kosmetikspiegel“, sagt Kurator Michael Zuber vom Oberth-Museum, der die Ausstellung koordiniert hat. „Versuchen Sie mal, sich mit diesem Helm auf dem Kopf nach hinten umzuschauen. Geht nicht. Deshalb gibt’s den Spiegel.“

Während diese frühen Anzüge einigermaßen improvisiert aussahen, addieren sich die Kosten eines heutigen Raumanzugs – maßgeschneidert und mit modernster Technik vollgestopft – auf rund eine Milliarde Dollar. Auch das erfährt man in der Ausstellung – gleich nebenan. In diesem Raum der Sonderausstellung gibt es neben einem sowjetischen Sport-Raumanzug, der tatsächlich schon im All war, auch ein 20-minütiges Interview mit dem Astronauten Thomas Reiter zu sehen, das die Schüler selbst konzipiert und geführt haben. „Die Gymnasiasten haben sich in das Thema richtig reingefuchst“, sagt Zuber. Einer hat sogar ein richtiges kleines Diorama gebastelt. „Ihn hat fasziniert, wie Astronauten in einem großen Schwimmbecken in ihren Raumanzügen für den Einsatz im Weltall trainieren – und er hat diese Szene im Kleinen nachgebaut.“

Die Elftklässler haben sich ein Jahr lang mit dem Thema im Rahmen einer Projektarbeit beschäftigt – herausgekommen ist eine äußerst professionell anmutende Ausstellung. Zuber erklärt: „Die Grundfragen waren: Was ist ein Raumanzug, was muss er können, und wie hat er sich historisch entwickelt?“ Die Vorläufer des Raumanzugs gibt es hier natürlich auch zu sehen: Gasdichte Schutzanzüge gab es schon im 19. Jahrhundert, später kamen Taucheranzüge und Piloten-Druckanzüge für Flüge in großer Höhe hinzu. Deshalb sind in der Ausstellung nicht nur die Helme von Raumfahrern, sondern auch von Tauchern zu sehen. Diese Vorläufer beeinflussten das Bild der Raumanzüge in der Science-Fiction-Literatur – und in der Wissenschaft. „Unser Namensgeber Hermann Oberth hat in einem Brief von 1924 an den Raketenpionier Max Valier ein fiktives Fußballspiel von Astronauten auf dem Marsmond Phobos gezeichnet. Und natürlich tragen diese Fußballspieler Raumanzüge.“ Schon in Oberths Buch von 1929 „Wege zur Raumschiffahrt“ werde erläutert, was so ein Raumanzug eigentlich leisten muss, sagt Zuber. Mehr als 30 Jahre, bevor der erste Mensch im Weltraum war.

In der Ausstellung werden schwierige Themen nicht ausgespart. „Die Darstellung auch der grausamen Menschenversuche während des Nazi-Regimes war uns wichtig“, sagt Zuber. Vor allem in Dachau wollte man herausfinden, wie der menschliche Körper Kälte, Unterdruck und Strahlung aushält.

Neben der Geschichte wird aber auch die Zukunft der bemannten Raumfahrt dargestellt. „Die Schüler haben sich auch mit der Frage befasst, wie die Raumanzüge der Zukunft aussehen könnten – und welche neuen Möglichkeiten Augmented Reality für die Technik bietet.“ Gleich nebenan kann man mit einem Gummiband selbst ausprobieren, wie anstrengend das Arbeiten in einem Raumanzug ist. „Man denkt ja immer, in der Schwerelosigkeit fiele einem das alles leicht. Aber wenn man stundenlang in so einem Anzug arbeiten muss, schläft man gut in der Nacht.“

Besonders liebenswert sind die beiden Ausstellungsbereiche, die sich mit der kulturellen Rezeption des Themas befassen. Dort gibt es sehr niedliche Puppen im Raumfahrerdress zu sehen, die in der Frühzeit immer mit großen Funkantennen ausgestattet waren – oder Pressluftflaschen auf dem Rücken und Werkzeug im Gürtel trugen. Eine Weltraum-Barbie nach dem Vorbild der ersten US-Astronautin Sally Ride gibt es auch zu sehen. Oder originale Zeitungs- und Zeitschriftentitel mit Raumfahrtbezug – wie die legendäre „Bild“-Schlagzeile von 1969: „Der Mond ist jetzt ein Ami“.

Wenn Menschen rund 60 Jahre später wieder auf dem Mond landen, werden sie das in Raumanzügen tun, die ganz anders aussehen als der, der bei den Apollo-Missionen im Einsatz war – auch ein solcher Anzug ist in der Ausstellung zu sehen. Aber die grundsätzliche Aufgabe des Anzugs ist immer noch dieselbe: Er soll Menschen ermöglichen, in einer extrem lebensfeindlichen Umgebung zu überleben, zu arbeiten und zu forschen.

Die Ausstellung ist bis zum 30. November 2026 in der Flugwerft zu sehen.

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In der Sonderausstellung “Inside the Suit” gibt es neben originalen Raumanzügen (Vitrine im Vordergrund) auch deren Entwicklungsgeschichte an den Infowänden zu sehen. 

Frei zur Veröffentlichung nur mit dem Vermerk

Foto: Deutsches Museum

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Nachbildung des Raumanzugs von Edgar Mitchell, einem Teilnehmer der Apollo-14-Mission im Jahr 1971.

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Ein Schüler hat für die Sonderausstellung ein Modell zum Schwerelosigkeitstraining im Wasserbecken gebaut.

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Barbie nach dem Vorbild der US-Astronautin Sally Ride.

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Teil eines sowjetischen Raumanzugs.

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Foto: Deutsches Museum

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