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Sein Grabstein auf dem Alten Südfriedhof in München ist sehr schlicht. Ein Fernrohr und eine Sonne auf dem Stein zeigen symbolisch, womit sich der berühmteste Sohn der Stadt Straubing in seinem Leben beschäftigt hat. Vor genau 200 Jahren ist der Forscher und Optiker Joseph Fraunhofer in München gestorben. Obwohl er noch nicht einmal 40 Jahre alt wurde, erwarb er sich große Verdienste um die Wissenschaft. Das Deutsche Museum, das im Besitz vieler kostbarer Fraunhofer-Objekte ist, stellt den Forscher zu seinem Todestag am 7. Juni gemeinsam mit der Fraunhofer-Gesellschaft ins Rampenlicht. 

Fraunhofers größte Entdeckung ist nach ihm benannt: die Fraunhoferschen Linien. Wenn man zum Beispiel das Licht der Sonne mit einem Prisma in seine Farbbestandteile zerlegt, findet man neben den Farben auch sehr charakteristische schwarze Linien. Diese Linien hat der Optiker bei seinen Versuchen entdeckt – und zwei handkolorierte Exemplare mit dem Spektrum und den Linien befinden sich im Archiv des Deutschen Museums. 

„Fraunhofer hat die Linien entdeckt – aber er wusste nicht, was sie bedeuten“, sagt Eckhard Wallis, Optik-Kurator am Deutschen Museum. Das hat man erst Jahrzehnte nach seinem Tod herausgefunden. Die Linien repräsentieren die chemischen Elemente, aus denen das leuchtende Objekt besteht. Man kann also, vereinfacht gesagt, aus diesen Linien erkennen, welche Elemente in der Atmosphäre der Sonne vorkommen. Und das gilt auch für jeden anderen Stern, den man ins Visier nimmt und dessen Licht man analysiert. „Fraunhofers Entdeckung hat damit die spätere Astrophysik überhaupt erst möglich gemacht“, sagt Wallis.

Dabei wäre all das beinahe nie passiert: Fraunhofer, 1787 als elftes Kind eines Glasermeisters in Straubing geboren, verlor seine Eltern früh und arbeitete als Glaserlehrling in München. Trotz seines großen Talents durfte er weder lesen lernen noch zur Schule gehen. Als das Gebäude seines Lehrmeisters 1801 plötzlich einstürzte, überlebte Fraunhofer wie durch ein Wunder. Bei seiner Rettung war auch der Staatsbeamte und Fabrikant Joseph von Utzschneider vor Ort, der Fraunhofer in der Folge förderte und später in seine Optik-Werkstätten holte. Fraunhofer lernte, wie man Fernrohre baute, die ihrer Zeit weit voraus waren – so gehört auch der Fraunhofer-Refraktor, mit dem später der Neptun entdeckt wurde, zur Sammlung des Deutschen Museums.

„Die einmalige Fraunhofer-Sammlung des Deutschen Museums ist eine großartige Basis für die weitere Forschung", sagt Michael Decker, Generaldirektor des Deutschen Museums und Physiker. „Und auch der komplett digitalisierte Fraunhofer-Nachlass mit seinen Manuskripten, Berechnungen, Zeichnungen und Briefen gibt einen ganz unmittelbaren Einblick in das Leben und Wirken dieses außergewöhnlichen Forschers.”

Zum 200. Todestag Fraunhofers hat sich das Museum in Zusammenarbeit mit der Fraunhofer-Gesellschaft etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Die Fraunhofer-Objekte in der Optik-Ausstellung des Deutschen Museums werden hervorgehoben und mit einer digitalen Ausstellung ergänzt. Und es gibt momentan auch noch ein sehr neuzeitliches Ausstellungsstück in der Optik-Ausstellung: Auf einem Bildschirm ist der KI-basierte Avatar „Joseph” zu sehen, mit dem sich Besucherinnen und Besucher unterhalten können. Kurator Wallis: „Der KI-Avatar und die rund 200 Jahre alten Objekte ergänzen sich. Wer mit den Geräten auf den ersten Blick nicht viel anfangen kann, findet vielleicht im Gespräch mit ,Joseph’ einen Zugang dazu. “Und wer zur Erzählung der KI noch Belege sucht, der findet in der Vitrine handfeste Spuren der Geschichte.”

Die Fraunhofer-Gesellschaft hat den Avatar ihres Namenspatrons zur Ausstellung beigesteuert, den man zum Leben und Wirken Fraunhofers befragen kann. Holger Hanselka, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, sagt: „Joseph von Fraunhofer war Handwerker, Wissenschaftler und Unternehmer. In diesem außergewöhnlichen Dreiklang liegt seine bis heute wirkende Strahlkraft. Mit Präzision, Neugier und unternehmerischem Mut hat er Wissenschaft und Technik nachhaltig geprägt. Die Fraunhofer-Gesellschaft fühlt sich seiner Tradition bis heute verpflichtet: Wir übersetzen exzellente Forschung in konkrete Anwendungen für Wirtschaft und Gesellschaft. Dass das Deutsche Museum gemeinsam mit der Fraunhofer-Gesellschaft zum 200. Todestag Fraunhofers neue Zugänge zu seinem Leben und Wirken schafft, macht seinen Pioniergeist auf eindrucksvolle Weise erlebbar - von den Originalexponaten über die digitale Ausstellung bis hin zum KI-basierten Avatar ,Joseph’.“

Der Avatar ist gleich gegenüber der Großvitrine in der Optik-Ausstellung zu sehen, in der sich auch die bedeutendsten Fraunhofer-Exponate des Deutschen Museums befinden. Zum Beispiel der Prismenspektralapparat, mit dem die Fraunhoferschen Linien entdeckt wurden. Und auch ein weiteres Wunderwerk aus Fraunhofers Werkstatt ist in der Schatzkammer zu entdecken. Optisch eher unspektakulär, aber technisch noch beeindruckender: Ein Gitterspektrometer, mit dem man das Licht noch präziser untersuchen konnte als mit einem herkömmlichen Prisma. In ein Glasplättchen hatte Fraunhofer mit einer selbst entwickelten Präzisionsmaschine und ihrer Diamantspitze teils mehr als 300 Rillen pro Millimeter in genau gleichem Abstand voneinander geritzt. Das ergab auf ein bis zwei Zentimeter Breite bis zu mehrere tausend Rillen – eine für die damalige Zeit fast unglaubliche Genauigkeit. Wie der Optiker diese Präzision erreicht hat, gehört zu seinen letzten Geheimnissen.

Etwas näher ist dieser Frage der Fraunhofer-Experte Jürgen Teichmann, Senior Researcher beim Deutschen Museum, gekommen. Er hat drei bisher kaum zu entziffernde Briefe Fraunhofers an den Frankfurter Forscher Samuel Thomas Soemmerring aus dem Jahr 1823 ausgewertet. Die Briefe waren Ende des Zweiten Weltkriegs durch Bombeneinwirkung und Löschwasser fast unlesbar geworden. Durch den Einsatz von UV-Fotografie an der Bayerischen Staatsbibliothek konnten sie nun weitgehend entziffert und von Teichmann ausgewertet werden. „Die Briefe dokumentieren detailliert – neben Fraunhofers eigenhändiger Kolorierung seines Farbspektrums der Sonne – auch seine bahnbrechenden Experimente mit Beugungsgittern“, sagt Teichmann.

Den Briefen zufolge erreichte Fraunhofer bei seinen extremsten Versuchen sogar mehr als tausend Rillen pro Millimeter. Etwas, das Soemmerring tief beeindruckte. „Genaueres möchte vielleicht auch für Menschenhände, welcher Maschine man sich auch bedienen mag, nicht wohl möglich seyn”, schreibt Fraunhofer. Diese enorme Präzision ermöglichte es ihm, die Wellenlängen der verschiedenen Farben exakt zu bestimmen. „Damit legte er durch seine Experimente auch ein entscheidendes Fundament für die Bestätigung der Lichtwellentheorie“, sagt Teichmann. Mit welcher Apparatur diese feinen Gitter erzeugt wurden, steht in den Briefen jedoch nicht – sein letztes Geheimnis hat Fraunhofer mit ins Grab genommen.

Ergänzt wird das Programm mit einem Vortrag von Jürgen Teichmann am Mittwoch, 3. Juni 2026, um 14 Uhr im Auditorium des Deutschen Museums: „Woher wissen wir, woraus Sterne bestehen?”

Die Pressemitteilung des Fraunhofer IAO zum KI-Avatar “Joseph” als pdf-Datei zum Download.

Eine Kooperation des Deutschen Museums mit

Bild 1/6

Das Ölgemälde von Rudolf Wimmer aus dem Jahr 1905 zeigt Joseph von Fraunhofer mit einem Prisma in der Hand direkt neben seinem berühmten Spektralapparat.

Frei zur Veröffentlichung nur mit dem Vermerk

Foto: Deutsches Museum

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Bild 2/6

Mit diesem Prismenspektralapparat zerlegte Fraunhofer 1814 das Sonnenlicht in sein Farbspektrum.

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Foto: Deutsches Museum

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Bild 3/6

Das kolorierte Sonnenspektrum mit den schwarzen Linien von Joseph von Fraunhofer

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Foto: Deutsches Museum

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Bild 4/6

In diesem Spektralapparat wurde das Licht nicht mit einem Prisma, sondern mit einem sogenannten Beugungsgitter in seine Farbbestandteile zerlegt.

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Foto: Deutsches Museum

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Bild 5/6

Der Fraunhofer-Refraktor, mit dem der Planet Neptun entdeckt wurde. Das Fernrohr ist wegen der Modernisierung des Deutschen Museums zur Zeit nicht ausgestellt.

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Foto: Deutsches Museum

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Bild 6/6

Der KI-Avatar “Joseph”

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Foto: Aristidis Schnelzer

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