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Einen kunterbunten Zug wie diesen hatte man man in Bayern noch nie gesehen: Im April 2006 rollten historische Lokomotiven wie die Lok „LAG 1“ von 1905 oder die frühe Diesellok „V140“ von 1935 rund 150 Kilometer über das reguläre Schienennetz vom Deutschen Museum nach Freilassing. Fünf Monate später, im September 2006, wurde die Lokwelt Freilassing offiziell eröffnet. Ohne die Sammlung des Deutschen Museums gäbe es die Lokwelt nicht – und ohne die Lokwelt würden die Objekte des Deutschen Museums unbeachtet in einem Depot stehen. Ein Gewinn für beide Seiten.

„Die Lokwelt Freilassing ist ein Glücksfall für uns“, sagt auch Michael Decker, Generaldirektor des Deutschen Museums. „Beim Umzug der Landverkehrssammlung aus dem Haupthaus in unser Verkehrszentrum auf der Theresienhöhe war klar, dass wir nicht alle Großexponate dort unterbringen können würden. Freilassing bot uns nicht nur den nötigen Raum für die einmaligen Objekte, sondern auch eine absolut authentische Umgebung. Das 20-Jahre-Jubiläum in Freilassing ist deshalb auch für uns ein Grund zum Feiern.“

Etwa ein Drittel der Schienenfahrzeuge aus der Sammlung des Deutschen Museums fand 2006 nahe der österreichischen Grenze ein neues Zuhause. Und fast alle Exponate in Freilassing stammen aus der Sammlung des Museums. Aber die Lokwelt ist trotzdem keine Zweigstelle des Deutschen Museums, sondern ein Museum der Stadt Freilassing. Ermöglicht wurde das Projekt einst durch starken Rückhalt in der Bevölkerung: Nach einem positiven Bürgerentscheid im Dezember 2002 unterzeichneten die Stadt und das Deutsche Museum 2003 einen entsprechenden Kooperationsvertrag.

Der Kurator für Schienenverkehr des Deutschen Museums, Frank Zwintzscher, ist richtiggehend stolz auf das Kooperationsmodell: „Wir haben keine einzige Lok im Depot – alle sind ausgestellt. Das gibt es nur selten bei Eisenbahnsammlungen, denn die Züge brauchen ja viel Platz, und die Ausstellungsräume sind meist begrenzt.“ Zu den schönsten Objekten in Freilassing zählt er die kleine Elektrolok LAG 1. „Das war die erste Lokomotive in Deutschland, die mit Einphasenwechselstrom betrieben wurde, wie das heute hierzulande und in anderen europäischen Ländern üblich ist“, erklärt Zwintzscher. Die LAG 1 war ursprünglich zwischen Murnau und Oberammergau im Einsatz.

Aber es gibt noch viel mehr ganz besondere Objekte in Freilassing: Die erste betriebsfähige Magnetschwebebahn von 1971 – ein Transrapid-Vorläufer, dessen Entwurf vom selben Designer stammt wie später der ICE-Zug. Oder die 1000ste Dampflok der berühmten Münchner Lokomotivfabrik Maffei aus dem Jahr 1874. Die Elektrolok „E16 07“ kam einst sogar direkt aus Freilassing in die Sammlung des Deutschen Museums. Über 25 Jahre lang war die Lok zuvor im „Bahnbetriebswerk Freilassing“ der Deutschen Bundesbahn im Einsatz.

Bahnfans, sagt Zwintzscher, hätten die Lokwelt auf jeden Fall auf dem Schirm. „Zum einen weiß man, dass da Fahrzeuge des Deutschen Museums stehen. Und zum anderen hat die Lokwelt den großen Vorteil regelmäßiger Öffnungszeiten – das ist keineswegs selbstverständlich bei Eisenbahnmuseen, die andernorts oft rein ehrenamtlich betrieben werden.“

Auf manche Dinge ist Zwintzscher sogar ein bisschen neidisch: „Unserem Verkehrszentrum fehlt einfach ein Gleisanschluss.“ Und auch die betriebsfähige Lok-Drehscheibe, die es in dem ehemaligen Bahnbetriebswerk in Freilassing gibt, ist etwas Besonderes: „So eine Drehscheibe ist eigentlich für Dampfloks geschaffen worden. Eine Dampflok kann nämlich eigentlich nur in eine Richtung fahren. Die Drehscheibe braucht man, um die Lok schnell umdrehen zu können.“ Bei den Jubiläumsfeiern der Lokwelt will Zwintzscher genau das mit einer seiner Loks demonstrieren – „das wird ein großer Spaß.“

Mehrmals im Jahr fährt Zwintzscher nach Freilassing und tauscht sich aus mit Ingrid Gattermair-Farthofer, die das Museum von Beginn an leitet – und dort mit ihrem Team unter anderem ein beeindruckendes Kulturprogramm auf die Beine stellt. Auch die „Freunde des historischen Lokschuppens 1905 Freilassing e.V.“ spielen mit ihrem ehrenamtlichen Engagement eine wichtige Rolle für die Lokwelt. Zwintzscher wünscht der Lokwelt alles Gute für die nächsten Jahre: „Die Lokwelt mit ihrer einmaligen Atmosphäre am historischen Bahnstandort hat viel Potenzial! Viele Themen, von der Geschichte der Eisenbahnstadt Freilassing bis hin zur Bedeutung der Bahn für den Bergtourismus als Massenphänomen, lassen sich noch weiter ausbauen.“ Nicht zuletzt könne die gegenwärtige Aufmerksamkeit für die Bahn auch der Lokwelt nützen, glaubt Zwintzscher. Dafür müssen Bahnmuseen stärker die Infrastrukturen, deren Geschichte und Weg in die Zukunft in den Blick nehmen. Er ist sich sicher: Das ist ein Projekt für die nächsten 20 Jahre.

Programm zum Jubiläum

Am 19. und 20. September wird das Jubiläum im Rahmen des bundesweiten „Tags der Schiene“ mit einem Festprogramm gefeiert. Das komplette Programm findet man hier:
https://lokwelt.freilassing.de/

Bild 1/5

Blick auf die historischen Züge aus der Sammlung des Deutschen Museums im Ringlokschuppen der Lokwelt Freilassing.

Frei zur Veröffentlichung nur mit dem Vermerk

Foto: Daniel Schvarcz

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Bild 2/5

Im April 2006 wurden die wertvollen historischen Fahrzeuge aus der Eisenbahnsammlung des Deutschen Museums per Schiene von München nach Freilassing transportiert.

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Foto: Helmut Rath

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Bild 3/5

Einen kunterbunten Zug wie diesen hatte man man in Bayern noch nie gesehen: Im April 2006 rollten historische Lokomotiven rund 150 Kilometer über das reguläre Schienennetz vom Deutschen Museum nach Freilassing.

Frei zur Veröffentlichung nur mit der Vermerk

Foto: Helmut Rath

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Bild 4/5

Seit 2006 befindet sich die Lokwelt im ehemaligen Bahnbetriebswerk Freilassing der Deutschen Bahn. Bis 1994 wurden hier Lokomotiven gewartet, repariert und abgestellt. 2003 erwarb die Stadt Freilassing das Gelände und entwickelte es in Kooperation mit dem Deutschen Museum zum erfolgreichen Museumsstandort.

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Foto: Martin Köppl

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Bild 5/5

Die LAG 1 bei ihrer Ankunft auf der Drehscheibe in Freilassing.

Frei zur Veröffentlichung nur mit dem Vermerk

Foto: Lokwelt Freilassing

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