Direkt zum Seiteninhalt springen

Hitzewellen, Dürren, Extremwetter: Die Erde hat Fieber. Und das ist auch für uns Menschen nicht gesund. Wie eng unser Wohlbefinden mit dem Zustand des Planeten verbunden ist, das zeigt ab 20. März die neue Sonderausstellung „Planetary Health – Am Puls von Mensch und Planet“ in der Eingangshalle des Deutschen Museums. Hier erfährt man – aufgeschlüsselt in die fünf Bereiche Luft, Biosphäre, Wasser, Stoffe und Landschaft – wie unsere Lebensweise auf die Natur wirkt und was passiert, wenn das natürliche Gleichgewicht aus dem Takt gerät. Zugleich werden Ideen, Projekte und Visionen vorgestellt, mit denen sich ein nachhaltiges Miteinander von Mensch und Planet finden lässt. 

Zunächst einmal ist der Zustand der Erde im Moment besorgniserregend: Von den neun planetaren Belastungsgrenzen, die von einem internationalen Forschungsteam eingeführt wurden, sind mittlerweile schon sieben überschritten. Und die Auswirkungen, die das auf die Menschheit hat, werden immer deutlicher spürbar: Durch die Klimaerwärmung gibt es beispielsweise erwiesenermaßen immer mehr extreme Wetterereignisse wie Hitzewellen oder Starkregen. Die Dürren, Stürme oder Überschwemmungen fordern dann ganz unmittelbar Menschenleben. „Aber es gibt auch viele Opfer, wo der Zusammenhang nicht so offensichtlich ist“, sagt Museumsmitarbeiter Sebastian Brumann aus dem Projektteam. „Zum Beispiel steigt durch die Hitze unter anderem das Risiko für Schlaganfälle und Herzinfarkte.“ 

In den fünf Modulen der neuen Sonderausstellung sind noch viele weitere solcher Beispiele zu finden: vom Ausrotten einer Geierart, das zu einer steigenden Zahl von tödlichen Tollwutfällen führte; von winzigsten Plastikteilchen in der Nahrung oder im Trinkwasser, die Krebs auslösen können; oder von Ernteeinbußen und Hunger wegen des Insektensterbens. „Um die komplexen Zusammenhänge zu vermitteln und das Bewusstsein dafür zu schärfen, beleuchten wir vor allem auch ganz alltägliche Situationen, Produkte und Gewohnheiten“, sagt Sebastian Brumann. So sind in der Ausstellung unter anderem auch ein Paar Ski, ein Pizzakarton, eine Bratpfanne oder eine schlammverkrustete Puppe zu sehen. 

Im Zentrum der Module stehen die „Attraktoren“: Diese Elemente ziehen durch ihre schiere Größe zuerst die Aufmerksamkeit auf sich. In jedem der fünf Bereiche steht mittig so ein Turm symbolisch für das Thema, um das es geht: Bei „Landschaft“ ist das Gebilde unten noch stark von Beton geprägt und wird nach oben hin nachhaltiger und naturnäher. In der „Biosphäre“ nimmt die Artenvielfalt von unten nach oben zu – was man hier sogar an einer Audiostation hören kann. Bei den „Stoffen“ stellt der Attraktor ein menschliches Blutgefäß dar. Neben den roten Blutkörperchen sind hier auch künstlich hergestellte Materialien wie Mikroplastik, PFAS oder Bisphenole zu erkennen, die aber nach oben hin immer weniger werden. Ähnlich ist es beim „Wasser“: Auch hier nimmt die Reinheit und dazu die Verfügbarkeit von unten nach oben zu. Die „Luft“ wird ebenfalls nach oben hin besser – sauberer und mit moderateren Temperaturen. „Wir wollen immer einen positiven Ausblick mitliefern“, erklärt Brumann den Aufbau der Türme, „so ein bisschen nach dem Motto ‚Kopf hoch‘“.

Denn es gibt auch die „Guten Neuigkeiten“: An jedem Modul werden Beispiele aus der Praxis vorgestellt, die zeigen, wie man die bestehenden Zustände zum Besseren ändern und eine gute Zukunft aktiv mitgestalten kann, vom Wasserrucksack PAUL über das Solar Gate bis hin zum Cloudfisher. „Und Initiativen wie die ‚Grünpaten‘ mit ihren Straßengärtchen beweisen, dass man schon mit wenig Aufwand wirklich viel erreicht“, sagt Sebastian Brumann. Die blühenden Beete liefern nicht nur Futter für Insekten, sondern sind auch „Augenschmaus“ für menschliche Stadtbewohner und sorgen für mehr Wohlbefinden. 

Und alle Besucherinnen und Besucher können schon in der Sonderausstellung selbst aktiv werden: Zahlreiche Elemente laden dazu ein, „Planetary Health“ nicht nur anzuschauen, sondern zu erleben. Da gibt es den Escape Room „Hitzenotruf“ oder als zusätzlichen Bereich ein ganzes Spielmodul. An vielen Stellen ist die direkte Beteiligung gefragt, wie beispielsweise, dass man sein Lieblingstier auf einen Zettel schreibt, der dann als Origamifigur an den Biodiversitäts-Attraktor gehängt wird. Im Landschaftsmodul kann man auf einer Parkbank Platz nehmen und ein animiertes Szenario mit passender Klangkulisse auf sich wirken lassen, während auf dem Bildschirm Reflexionsfragen zum Wohlbefinden in dieser Landschaft gestellt werden. „Da kommen die Leute ganz automatisch ins Nachdenken“, sagt Sebastian Brumann, „und gleichzeitig können sie auch schon mitgestalten.“ 

Wissenschaftliche Fakten mit Bezug zum Alltag auf interaktive Weise vermittelt und im engen Dialog mit dem Publikum: „Das sind die Grundfesten des Deutschen Museums und das bietet auch die neue Sonderausstellung“, sagt Generaldirektor Michael Decker. „Wir sind damit aber nicht nur ‚Am Puls von Mensch und Planet‘, sondern auch am Puls der Zeit, denn es geht um ein Thema, das uns wirklich alle unmittelbar betrifft!“ 

„Planetary Health“ lädt dazu ein, den Gesundheitszustand unseres Lebensraums zu erkunden, denjenigen zuzuhören, die bereits an einer gesünderen Zukunft arbeiten – und vielleicht auch sich selbst die Frage zu stellen: Wie will ich weitermachen? Die Sonderausstellung ist von 20. März bis 30. September 2026 in der Eingangshalle des Deutschen Museums (Ebene -1) zu sehen und zu erleben.

Eine Ausstellung des Munich Science Communication Lab, gefördert von der Volkswagen Stiftung.

Bild 1/4

Blick in die neue Sonderausstellung “Planetary Health”. Die Attraktoren-Türme – hier aus dem Bereich Stoffe mit roten Blutkörperchen und aus dem Bereich “Luft” mit überdimensionalen Gasbläschen - fallen sofort ins Auge.

Frei zur Veröffentlichung nur mit dem Vermerk

Foto: Deutsches Museum

Download 

Bild 2/4

Blick in die neue Sonderausstellung “Planetary Health”.

Frei zur Veröffentlichung nur mit dem Vermerk

Foto: Deutsches Museum

Download

Bild 3/4

“Planeatry Health” will nicht nur auf Probleme aufmerksam, sondern auch Mut machen. In jedem Bereich, so wie hier im Modul “Wasser” sind auch Beispiele zu finden, wie der Umgang mit der Natur besser gelingen kann.

Frei zur Veröffentlichung nur mit dem Vermerk

Foto: Deutsches Museum

Download

Bild 4/4

Der Attraktor im Zentrum des Landschafts-Moduls ist eine Art asymmetrischer Wohnturm mit Betonfuß und darüber einer begrünten Fassade.

Frei zur Veröffentlichung nur mit dem Vermerk

Foto: Deutsches Museum

Download