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Abhandlungen und Berichte

Martin Meiske

Die Geburt des Geoengineerings


Dass der Mensch seine Umwelt gestaltet ist ebensowenig neu, wie es Visionen zur Erdgestaltung sind. Die Geburtsstunde des Geoengineerings schlägt aber Mitte des 19. Jahrhunderts mit immer größeren Bauprojekten zu beiden Seiten des Atlantiks, wie spektakulären Eisenbahntunneln, Ozeane verbindenden Meereskanälen oder monumentalen Staudämmen.
In jener Zeit beginnt der Mensch, sich, durch Eingriffe, bei denen Millionen Jahre alte natürliche Formationen grundlegend umgeformt, beispielsweise durchstochen werden, zu einem der wichtigsten Einflussfaktoren auf die biogeochemischen Stoffkreisläufe der Erde zu entwickeln. Und damit kündigt sich eine neue geochronologische Epoche an: das Anthropozän.
Die mit solchen Großprojekten verbundenen Hoffnungen auf Beherrschbarkeit der Natur, etwa zum Zwecke billiger Energiegewinnung erfüllten sich allerdings durchaus nicht immer. Manche Infrastrukturprojekte endeten tragisch und oft litten in den von ihnen betroffenen Regionen die Ökosysteme inklusive der Menschen über Generationen hinweg unter den Folgen. Heutige teilweise zögerliche Haltungen gegenüber möglichen künftigen größeren Eingriffen in die Erdsysteme, wie etwa durch Climate Engineering, lassen sich vor diesem historischen Hintergrund verstehen.
In seinem Buch widmet Martin Meiske sich Großbauprojekten wie dem Mont-Cenis-Tunnel oder dem Panamakanal und rekonstruiert die mit diesen materialisierten Symbolen menschlicher Gestaltungsmacht verbundenen Voraussetzungen, Auswirkungen und Wahrnehmungen. Seine Historisierung des Geoengineerings transformiert sie in zentrale Lernorte, die das Verständnis der tiefgreifenden Verflechtung von Natur, Technik und Gesellschaft befördern.


Die Geburt des Geoengineerings

Großbauprojekte in der Frühphase des Anthropozäns
2021 Wallstein-Verlag
328 Seiten
ISBN 978-3-8353-3672-7
Buchhandelspreis 29,90 €