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Die Modernisierung des Deutschen Museums ist ein Jahrhundertprojekt. Sämtliche Ausstellungen werden größtenteils völlig neu gestaltet, der Rest wird aktualisiert. Und auch das Ausstellungsgebäude wird auf den neuesten technischen Stand gebracht. Das Projekt ist so angelegt, dass immer etwa die Hälfte des Museums für Besucherinnen und Besucher geöffnet bleibt. Inzwischen ist der erste Teil des neuen Deutschen Museums fertiggestellt und eröffnet – samt Wechsel des Eingangs Richtung Corneliusbrücke. Parallel dazu läuft die Modernisierung auf der anderen Seite des Gebäudes auf Hochtouren weiter.

Der Anspruch ist hoch. „Wir werden hier eines der modernsten naturwissenschaftlich-technischen Museen der Erde haben“, sagt Generaldirektor Wolfgang M. Heckl. Und selten war das Wort vom „Jahrhundertprojekt“ so wahr wie hier: 1925 ist das Ausstellungsgebäude auf der Museumsinsel eröffnet worden. Seitdem ist der Bau nie grundlegend saniert worden. 2011 hatten Freistaat Bayern und Bundesrepublik Deutschland dann jeweils 180 Millionen Euro für die Generalsanierung zugesagt, nachdem das Museum selbst 45 Millionen Euro Spendengelder eingeworben hatte. Weitere 40 Millionen Euro steuert das Museum aus seinem eigenen Haushalt bei. Weil u. a. die boomende Baukonjunktur der vergangenen Jahre die Kosten des Modernisierungsprojekts in die Höhe getrieben hat, haben Bund und Freistaat im Herbst 2019 ihre Finanzierungszusagen um jeweils 150 Millionen Euro aufgestockt.

Seit dem Startschuss der Modernisierung im Oktober 2015 ist einiges geschehen: Die Hochwasserdichtwand rund um das Gebäude wurde fertiggestellt. Nie wieder muss das Museum befürchten, dass Hochwasser in das Gebäude eindringt und die wertvollen Exponate schädigt. Ein weithin sichtbarer Verbindungsgang wurde zwischenzeitlich errichtet, durch den die Sonderausstellungen und das Zentrum Neue Technologien erreichbar blieben, das Kinderreich, die Ausstellung „Deutscher Zukunftspreis“ und andere Highlights waren innerhalb des Museums umgezogen.

Die Räumung der alten Ausstellungen – samt „Tante Ju“ und Senkrechtstarter – sind pünktlich und problemlos über die Bühne gegangen. Rund 10 000 zum Teil sehr große Exponate mussten für den ersten Teil der Gebäudesanierung die Museumsinsel verlassen, einige davon waren übergangsweise in der Flugwerft Schleißheim und im Verkehrszentrum zu sehen. Die leeren Ausstellungsräume wurden in den Rohbauzustand zurückversetzt und von Grund auf saniert, moderne Technikkerne eingezogen und anschließend Stück für Stück neues Ausstellungsmobiliar aufgebaut. Inzwischen wurden die neuen Ausstellungen wieder eingeräumt, der Verbindungsgang ist verschwunden und die Großexponate sind auf die Museumsinsel zurückgekehrt.

2022 wurden die neuen Ausstellungen des ersten Bauabschnitts eröffnet – mit einer komplett neuen Besucherführung. Die Besucherinnen und Besucher können hier jetzt alte Bekannte wie den berühmten Dieselmotor wiedersehen, aber auch viele Dinge entdecken und erleben, die man zuvor so noch nie gesehen hat. In den Werkstätten des Museums wurde dafür an neuen Dioramen und Demonstrationen gearbeitet, parallel dazu formulierten Kuratoren und Lektoren neue Erklärtexte für die Wände, Tafeln und Medienstationen. Gleichzeitig sind virtuelle Welten für den Einsatz im Museum entstanden. Insgesamt wurden 20 Ausstellungen des Deutschen Museums auf rund 20 000 Quadratmetern geöffnet – „so etwas hat es seit der Einweihung des Museums noch nie gegeben“, sagt Generaldirektor Heckl.

Zwei große Veränderungen gibt es jetzt für die Besucherinnen und Besucher: Zum einen betritt man das Ausstellungsgebäude zum ersten Mal in seiner Geschichte nicht über den Haupteingang im Museumshof, sondern über ein neues, eigens errichtetes Eingangsgebäude an der Corneliusbrücke. Auch Kassen und Garderobe wurden auf die andere Gebäudeseite verlegt. Außerdem können sich die Besucherinnen und Besucher über eine komplett neue Museumsgastronomie freuen – an einem einmaligen Ort. Auf der Dachterrasse der Raumfahrtausstellung hat das Restaurant „Frau im Mond“ eröffnet – mit tollem Blick über die Isar bis zu den Bergen. Über den neugestalteten Museumsgarten ist das Restaurant auch abends zugänglich.

Derweil geht der Modernisierungsprozess in seine zweite Runde. Die restlichen „alten“ Ausstellungen werden geräumt, die Räume des zweiten Bauabschnitts saniert, die neuen Ausstellungen entstehen.

Aber das Museum hat noch größere Pläne. Die Modernisierung erstreckt sich ja momentan nur auf das Ausstellungsgebäude. Doch auch das Forum an der Ludwigsbrücke und das Großdepot in Erding werden in einen ganzheitlichen Planungsprozess einbezogen. An der Ludwigsbrücke entsteht das „Forum der Zukunft“ – ein Ort, an dem künftig über Wissenschaft, Technik und Fortschritt diskutiert wird. Seit Juli 2022 sind dort mit VRlab+, Experience Center und KI-Fabrik bereits die ersten Begegnungsorte für Gesellschaft, Forschung und Hightech-Unternehmen in Betrieb. Das Museum will sich damit weiter zur Stadt hin öffnen und noch stärker als bisher zu einem Ort des Dialogs werden. Ganz im Sinne des Museumsgründers Oskar von Miller.