

Bild: Deutsches Museum | Lorenz Kampschulte
Museologische Forschung
Evaluationsforschung
Die Evaluationsforschung im Deutschen Museum ist ein zentrales Instrument der besucherorientierten Entwicklung von Ausstellungen und Angeboten. Je nach Fragestellung und Prozessphase beginnt die Forschung schon in der Ideenphase einer Ausstellung und reicht bis zur summativen Evaluation eines fertigen Projekts.
Inhalt
Evaluationsforschung in der Abteilung Bildung des Deutschen Museums
- Museologische Forschung
Projektbeschreibung
Für das Deutsche Museum ist Besucherforschung im Sinne eines Evaluationsinstruments zur Planung von Ausstellungen zentraler Bestandteil. Die Ergebnisse der Evaluierungen sollen dazu beitragen, die Zielgruppen schon außerhalb des Museums besser anzusprechen; intern dient sie als Instrument zur Verbesserung der Ausstellungskommunikation, indem Orientierungs- oder Verständlichkeitsprobleme rechtzeitig identifiziert und abgebaut werden. Aus partizipatorischer Sicht ist sie ein Instrument, um Meinungen und Ansichten des Museumspublikums besser zu integrieren und es als Dialogpartner einzubeziehen.
Evaluierung Neue Ausstellungen RA1

Evaluation der neugestalteten Ausstellungen auf der Museumsinsel. Bild: Deutsches Museum | Lorenz Kampschulte
Vergleichende Evaluierung aller Ausstellungen im Realisierungsabschnitt 1 auf der Museumsinsel
Seit 2010 wird das Hauptgebäude des Deutschen Museums auf der Museumsinsel generalsaniert. Nach der Eröffnung des ersten Realisierungsabschnitts (RA1) 2022 mit 19 neuen Ausstellungen wurde eine vergleichende Evaluation von 16 Ausstellungen durchgeführt. Ziele der Studie waren: 1) Problemfelder in neu konzipierten Ausstellungen identifizieren, um strukturelle oder vermittlungsbezogene Lösungen zu entwickeln; 2) Erkenntnisse für den zweiten Sanierungsabschnitt gewinnen, Best Practices übernehmen und Gestaltungsvorgaben optimieren; 3) einen Standardfragebogen für künftige Evaluationen etablieren und eine Vergleichsdatenbasis schaffen. Die Befragung erfolgte standardisiert und vergleichbar, um erste Tendenzen zu Besucherwahrnehmung, Interessen und besonderen Ausstellungselementen zu erkennen. Die Ergebnisse dienen als Grundlage für vertiefende Analysen und die Zusammenarbeit mit den kuratorischen Teams sowie den Gestalter:innen.
Evaluierungsbericht der 16 Ausstellungen als PDF
Aufbauend auf der vergleichenden Studie wurde im Frühjahr 2025 die Sonderausstellung Licht und Materie evaluiert.
Bericht zur Evaluation der Sonderausstellung Licht und Materie als PDF
Vergleichende Besuchendenstrukturanalyse

Teilnehmerin beim Ausfüllen der Umfrage zur Leibniz-Besuchendenstrukturanalyse. Bild: Deutsches Museum | Lorenz Kampschulte
Vergleichende Leibniz-Besuchendenstrukturanalyse in den drei Zweigmuseen Museumsinsel, Verkehrszentrum und Bonn
Im Rahmen der Leibniz-Besuchendenstrukturanalyse 2022/23 wurde die Erhebung auch an drei Standorten des Deutschen Museums durchgeführt. Ziel dieser Befragung war es, ein umfassendes und vertieftes Bild der Besucher*innen von unterschiedlichen Museumstypen in Deutschland zu erhalten. Um mehr darüber zu lernen, wer eigentlich welches Museum besucht und warum, wurde die gleiche Studie in 22 verschiedenen Museen in Deutschland und Österreich durchgeführt.
Erste Ergebnisse zum Vergleich über alle Museen wurden im Beitrag „Museen und ihre Besucher*innen“ (S. 62) publiziert, die Ergebnisse der ersten Studie von 2018/19 ist in der Reihe DM-Studies veröffentlicht. Berichte über die Teilstichproben im Deutschen Museum sind unten als PDF verlinkt.
Ergebnisbericht Leibniz-BSA – Deutsches Museum Museumsinsel als PDF
Ergebnisbericht Leibniz-BSA – Deutsches Museum Verkehrszentrum als PDF
Ein Bild vom Museum

Ein „typisches“ Museum? Bild: Lorenz Kampschulte
Wahrnehmung von Museen in der Öffentlichkeit
Spricht man mit anderen Menschen über Museen, ist man oft ganz schnell bei Kunstmuseen. Besondere Gemälde, historische Statuen, Stille. Aber Museen sind ja viel mehr als das, viel bunter. Was genau denken Menschen über Museen? Welches Bild davon haben sie im Kopf, wenn sie spontan über Museen sprechen? Dieser Frage wollten wir mit der Studie „Wahrnehmung von Museen in der Öffentlichkeit“ näher auf den Grund gehen.
Im Rahmen des Lehrpraxisprojekts des Masterstudiengangs Wirtschafts-, Organisations- und Sozialpsychologie der LMU hat sich eine Gruppe Studierender näher mit dem Thema befasst. Insgesamt wurden 400 Personen außerhalb des Museums befragt. In den Daten zeigt sich sehr deutlich, dass die primären Assoziationen vor allem aus dem Bereich Kunst und Geschichte kommen. Auch bei einem Bilderranking wird das Bild einer Ausstellung mit historischen Gemälden als typischer Vertreter auf Platz eins gewählt.
Evaluierung Zukunftsmuseum

Eingang zum Deutschen Museum in Nürnberg – das Zukunftsmuseum. Bild: Lorenz Kampschulte
Evaluierung des neu eröffneten Museums in Nürnberg
In neue Ausstellungen fließen immer neue, innovative Ideen ein, inhaltlich, aber auch im Bereich der Präsentation und didaktischen Vermittlung. Dies trifft ganz besonders auf unser Zukunftsmuseums in Nürnberg zu, das sich mit vielen komplexen, schwer greifbaren Themen auseinandersetzt und dabei permanent mit der Zukunft arbeitet, die sich ja nur sehr bedingt museumstypisch Objektorientiert ausstellen lässt.
Im Rahmen dieses Lehrpraxisprojekts des Masterstudiengangs Wirtschafts-, Organisations- und Sozialpsychologie der LMU hat sich eine Gruppe Studierender damit befasst, einen neuen (Standard-)Fragebogen für die Ausstellungevaluation zu entwickeln, der diesen neuen Anforderungen gerecht wird. Als Grundlage dienten Fokusgruppengespräche, strukturierte Beobachtungen und ExpertInneninterviews mit ausgewählten KuratorInnen. Ein besonderer Fokus lag dabei auf dem Wohlbefinden in den Ausstellungen und den verschiedenen Einflussfaktoren. Anschließend wurde der Fragebogen im neuen Museum in Nürnberg mit 109 Personen validiert.
Evaluierung "Bergwerk"

Ansicht der Ausstellung Bergwerk. Bild: Dr. Lorenz Kampschulte | Deutsches Museum
Ausstellung „Bergwerk“: Analyse der Alleinstellungsmerkmale als Basis für eine Neugestaltung
Das Bergwerk ist seit jeher eine der beliebtesten Ausstellungen im Deutschen Museum. Rund 40% aller Museumsbesucherinnen und -besucher im Haupthaus besuchen auch das Bergwerk. Aber was genau macht die Ausstellung Bergwerk so erfolgreich? Warum ist sie so beliebt bei Alt und Jung, dass sogar Eltern mit ihren Kindern und Großeltern mit den Enkelkindern extra hierherkommen, um sie nochmal zu sehen? Das wollten wir besser verstehen, auch mit Blick auf die nötige Überarbeitung im Rahmen der Generalsanierung des Gebäudes. Die Studie entstand im Rahmen eines Lehrpraxisprojekts des Lehrstuhls Sozialpsychologie der Ludwig-Maximilians-Universität München in Kooperation mit dem Deutschen Museum. Eine Gruppe Studierender hat über die Weihnachtstage 2019/20 über 180 Besucherinnen und Besucher befragt sowie in mehreren Fokusgruppen Details herausgearbeitet. Die Ergebnisse zeigen, dass die Atmosphäre im Bergwerk nach wie vor unschlagbar ist, aber auch, dass die didaktische Aufbereitung definitiv nicht mehr zeitgemäß ist.
Evaluierung "Kosmos Kaffee"

Diagramm zur Sonderausstellung "Kosmos Kaffee" Bild: Deutsches Museum | Dr. Lorenz Kampschulte
Evaluierung der Sonderausstellung "Kosmos Kaffee"
Die Sonderausstellung „Kosmos Kaffee“ wurde im Oktober und November 2019 evaluiert. Zentrale Punkte waren dabei die Intensität der Nutzung der einzelnen Ausstellungsbereiche, die Erfahrungen mit den Medien und das Design der Ausstellung. Ein besonderes Augenmerk der Befragung lag auf den Texten, die für die Ausstellung besonders kurz und leicht verständlich konzipiert wurden. Darüber hinaus wurden zu den soziodemographischen Daten auch der Kaffeekonsum und das –kaufverhalten der Besuchenden erhoben und analysiert.
Die 120 befragten BesucherInnen bewerteten die Ausstellung durchwegs sehr positiv. Die Textlänge und -komplexität haben rund 85% der Befragten mit „genau richtig“ bewertet, wobei sich zeigt, dass GelegenheitsbesucherInnen die Texte tendenziell als zu lang/zu komplex empfanden und diejenigen, die mehr als fünfmal pro Jahr Ausstellungen besuchen, eher zu kurz/zu einfach. Die Menge des konsumierten Kaffees hat hingegen keinen Einfluss auf den Ausstellungsbesuch - knapp 10% der Befragten trinken gar keinen Kaffee.