Direkt zum Seiteninhalt springen

Was?
Quantenkryptographie nutzt die Gesetze der Quantenphysik, um Kommunikation abhörsicher zu
machen. Das Besondere: Ein Lauscher kann die übertragenen Quantenzustände nicht unbemerkt
abfangen –jeder Abhörversuch hinterlässt unweigerlich Spuren. Der Grund liegt in der Natur der
Quantenmechanik: Quantenzustände lassen sich weder kopieren noch messen, ohne sie zu
verändern. Man kann es sich vorstellen wie eine Nachricht, die in einer Seifenblase verschickt
wird –wer sie berührt, zerstört sie. So lässt sich ein geheimer Schlüssel zwischen zwei Parteien
austauschen, dessen Sicherheit nicht auf mathematischen Annahmen beruht, sondern auf den
Naturgesetzen selbst.


Wofür?
Quantenkryptographie ist überall dort relevant, wo höchste Sicherheitsanforderungen gelten: in
der Regierungskommunikation, im Finanzsektor, bei kritischer Infrastruktur und in der
Verteidigung. Ein praktisches Beispiel: Banken könnten Transaktionsdaten zwischen
Rechenzentren so übertragen, dass jeder Abhörversuch sofort auffällt. Besonders brisant wird die
Technologie mit Blick auf Quantencomputer: Diese könnten künftig viele der heute verwendeten
Verschlüsselungsverfahren brechen. Quantenkryptographie bietet Schutz, der auch dann
standhält –denn ihre Sicherheit basiert nicht auf der Schwierigkeit mathematischer Probleme,
sondern auf fundamentalen Naturgesetzen.


Wie?
Das wichtigste Verfahren ist der Quantenschlüsselaustausch (Quantum Key Distribution, QKD).
Dabei werden einzelne Photonen –Lichtteilchen –zwischen Sender und Empfänger ausgetauscht.
Jedes Photon trägt eine Information, die in seinem Quantenzustand kodiert ist, etwa seiner
Polarisationsrichtung. Versucht ein Angreifer, die Photonen abzufangen und zu messen, verändert
er zwangsläufig ihren Zustand –denn Quantenzustände lassen sich nicht messen, ohne sie zu
beeinflussen. Sender und Empfänger können dies erkennen, indem sie einen Teil ihrer
Messergebnisse vergleichen: Stimmen diese nicht überein, wurde die Leitung abgehört. Der so
erzeugte Schlüssel wird anschließend für die eigentliche Verschlüsselung der Nachricht
verwendet –mit klassischen Verfahren, aber unknackbarer Grundlage.


Ausblick:
Quantenkryptographie ist unter den Quantentechnologien vergleichsweiseweit entwickelt:
Kommerzielle QKD-Systeme sind bereits verfügbar, und erste Netzwerke –etwa in China und
Europa –wurden in Betrieb genommen. Sogar satellitengestützte Quantenschlüsselverteilung
wurde erfolgreich demonstriert. Dennoch bleiben Herausforderungen: Die Reichweite über
Glasfasern ist auf etwa 100 Kilometer begrenzt, bevor das Signal zu schwach wird. Sogenannte
Quantenrepeater, die das Signal verstärken könnten, befinden sich noch in der Entwicklung.
Zudem müssen die Systeme günstiger und einfacher integrierbar werden. Die Dringlichkeit
wächst: Leistungsfähige Quantencomputer könnten künftig viele heutige
Verschlüsselungsverfahren brechen –was Quantenkryptographie zu einem zentralen Baustein der
digitalen Sicherheit von morgen macht.

Diese Inhalte stammen aus den "Technologie-Steckbriefen", die das Fraunhofer ISI in Modul 1entwickelt hat.