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Was?
Jede bewusste Bewegung beginnt mit einem Nervenimpuls – einem elektrischen Signal, das ein winziges Magnetfeld erzeugt. Quantensensoren können diese extrem schwachen Felder messen und in Steuersignale für Prothesen übersetzen. Das Besondere: Die Messung funktioniert berührungslos, ohne Elektroden auf der Haut. Herkömmliche Prothesen nutzen Oberflächensensoren, die durch Schweiß, Haare oder Verschiebung gestört werden. Quantensensoren auf Basis von Stickstoff-Fehlstellen (NV- Zentren) sind davon unabhängig und arbeiten bei Raumtemperatur – eine Empfindlichkeit, die bisher nur mit aufwendig gekühlten Spezialsensoren erreichbar war.

Wofür?
Die Technologie verspricht eine intuitivere Prothesensteuerung – etwa um feinmotorische Aufgaben wie das Greifen eines Glases oder das Zuknöpfen eines Hemdes zuverlässig auszuführen. Auch Exoskelette zur Unterstützung von Menschen mit eingeschränkter Bewegungsfähigkeit könnten davon profitieren: Die direkte Ablesung von Bewegungsabsichten aus Nervensignalen würde natürlichere Bewegungsabläufe ermöglichen. Darüber hinaus ergeben sich Potenziale für die Diagnostik: Die hochempfindliche Messung von Nervensignalen könnte helfen, Nervenschäden oder neuromuskuläre Erkrankungen frühzeitig zu erkennen und Therapiefortschritte objektiv zu dokumentieren.

Wie?
Die elektrischen Signale in unseren Nervenbahnen erzeugen minimale Magnetfeldänderungen. Quantensensoren können diese messen und damit indirekt die Nervenimpulse erfassen. Ein vielversprechender Ansatz nutzt Stickstoff-Fehlstellen (NV-Zentren) in Diamant: Diese atomaren Defekte besitzen einen Spin – eine quantenmechanische Eigenschaft, die auf Magnetfelder reagiert wie eine extrem empfindliche Kompassnadel. Ändert sich das umgebende Magnetfeld, verschiebt sich der Spin-Zustand und diese Verschiebung lässt sich per Laser optisch auslesen. Die so erfassten Signale werden anschließend in Steuerbefehle für die Prothese übersetzt. Da die Messung berührungslos funktioniert, entfallen viele Störquellen, die herkömmliche Elektroden-Sensoren anfällig machen.

Ausblick:
Die Prothesensteuerung durch Quantensensoren befindet sich noch in der Entwicklung, doch die bisherigen Laborergebnisse sind vielversprechend und demonstrieren das Potenzial der Technologie. Hürden liegen in der Komplexität und den hohen Kosten der Sensoren. Gelingen hier weitere Fortschritte, könnten alltagstaugliche Geräte entstehen, die Menschen mit Amputationen eine deutlich intuitivere Steuerung ermöglichen. Langfristig eröffnet das Prinzip – Bewegungsabsichten direkt aus Nervensignalen abzuleiten – Potenziale weit über die Prothetik hinaus: In der Chirurgie könnten Operationsroboter feinfühliger gesteuert werden, in der Industrie ließen sich Exoskelette entwickeln, die schwere körperliche Arbeit erleichtern und dabei intuitiv auf die Absichten der Tragenden reagieren.

Diese Inhalte stammen aus den "Technologie-Steckbriefen", die das Fraunhofer ISI in Modul 1entwickelt hat.