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Was?
Ein Paketfahrzeug beliefert täglich hunderte Adressen. Die Zahl möglicher Routen wächst dabei unvorstellbar schnell – schon bei 60 Stopps übersteigt sie die Zahl der Atome im beobachtbaren Universum. Kommen Zeitfenster, Fahrzeugkapazitäten oder Vorrangregeln hinzu, wird das Problem noch schwieriger. Auch leistungsstarke klassische Computersysteme können solche Aufgaben nicht vollständig lösen – sie arbeiten mit Näherungsverfahren, die gute, aber selten optimale Ergebnisse liefern. Quantencomputer könnten diese Probleme grundlegend anders angehen: Mithilfe quantenmechanischer Effekte wie Superposition lassen sich große Lösungsräume auf eine Weise durchsuchen, die klassischen Rechnern nicht zur Verfügung steht.

Wofür?
Dieselbe Art von Problem – finde die beste Kombination unter unzähligen Möglichkeiten – taucht in Verkehr und Logistik überall auf: in der Fahrplanoptimierung bei Bus und Bahn, der Flugroutenplanung und bei globalen Lieferketten. In der Logistik geht es darum, Hunderte Fahrzeuge so einzusetzen, dass Wege kurz bleiben – unter Berücksichtigung von Zeitfenstern, Kapazitäten und aktuellem Verkehr. Auch Städte könnten profitieren: Ampelschaltungen ließen sich dynamisch anpassen, um Staus zu reduzieren und Emissionen zu senken. Der Anreiz ist enorm – bereits kleine Effizienzgewinne sparen in der Logistik Milliardensummen. Gleichzeitig wachsen die Anforderungen: Same-Day-Lieferungen und Nachhaltigkeitsziele machen die Optimierung immer komplexer.

Wie?
Für Optimierungsprobleme gibt es spezialisierte Quantensysteme: sogenannte Quantenannealer. Die Grundidee: Das Problem wird in eine Energielandschaft übersetzt – jede mögliche Lösung entspricht einem Punkt in einem Gebirge, die beste Lösung dem tiefsten Tal. Klassische Verfahren suchen bergab – und bleiben leicht in einem Nebental hängen. Ein Quantenannealer kann dank des Tunneleffekts Barrieren durchqueren und so tiefere Täler, also bessere Lösungen finden. Daneben werden auch Ansätze für universelle Quantencomputer entwickelt. Beide nutzen Superposition, um viele Lösungskandidaten gleichzeitig zu erkunden. In der Praxis arbeiten die Systeme hybrid: Ein klassischer Computer bereitet das Problem auf, der Quantenprozessor übernimmt den Optimierungskern, und das Ergebnis wird klassisch weiterverarbeitet.

Ausblick:
Quantenoptimierung für Verkehr und Logistik befindet sich in einer frühen, aber aktiven Entwicklungsphase. Spezialisierte Quantenannealer sind kommerziell verfügbar und werden in Pilotprojekten mit Logistikunternehmen und Verkehrsbetrieben bereits getestet. Ein eindeutiger Quantenvorteil gegenüber den besten klassischen Algorithmen konnte jedoch noch nicht nachgewiesen werden – heutige Verfahren sind trotz ihrer Limitationen erstaunlich leistungsfähig. Universelle Quantencomputer, die potenziell noch leistungsfähiger sind, verfügen derzeit noch nicht über genügend Rechenleistung für praxisrelevante Aufgaben. Schreitet die Forschung voran, könnten Quantenrechner
Logistik und Verkehrsplanung jedoch grundlegend verändern und nachhaltig effizienter machen.

Diese Inhalte stammen aus den "Technologie-Steckbriefen", die das Fraunhofer ISI in Modul 1entwickelt hat.