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Was?

Die quantenbasierte Krebsfrüherkennung nutzt Quantentechnologien der zweiten Generation, um Tumore früher und präziser sichtbar zu machen. Zentral ist das Verfahren der Hyperpolarisation: Diagnostisch relevante Moleküle werden dabei so vorbereitet, dass sie in der Magnetresonanztomographie (MRT) ein bis zu 100.000-fach stärkeres Signal liefern – vergleichbar mit einem Verstärker, der ein Flüstern in einen klar hörbaren Ton verwandelt. Die so erzeugten Bilder könnten Tumorzellen sichtbar machen, bevor sie mit heutigen Verfahren erkennbar sind, und zugleich Einblicke in den Zellstoffwechsel liefern.

Wofür?

Die Technologie könnte die Krebsdiagnostik grundlegend verändern: Tumore ließen sich früher entdecken, und ihre metabolische Aktivität – also wie aktiv ihr Stoffwechsel ist – könnte direkt abgebildet werden. Das erleichtert die Unterscheidung zwischen bösartigen und harmlosen Veränderungen und würde es erlauben, den Therapieerfolg nahezu in Echtzeit zu verfolgen. Ein praktisches Beispiel: Während einer Chemotherapie ließe sich beobachten, ob der Tumor auf die Behandlung anspricht – noch bevor er physisch schrumpft. Ein wichtiger Schritt hin zur personalisierten Krebsmedizin.

Wie?

Konventionelle MRT-Bilder zeigen vor allem die Struktur von Gewebe. Neue Methoden machen zusätzlich den Zellstoffwechsel sichtbar. Dafür werden Moleküle, die am Stoffwechsel beteiligt sind (z. B. Pyruvat), hyperpolarisiert: Ihre Kernspins – die magnetische Ausrichtung der Atomkerne – werden in einen geordneten Zustand gebracht, was ihr MRT-Signal massiv verstärkt. Als vielversprechendes Werkzeug dafür gelten Nanodiamanten mit sogenannten Stickstoff-Fehlstellen-Zentren (NV-Zentren) – winzige Defekte im Diamantgitter, deren Quanteneigenschaften sich gezielt steuern lassen. Durch Laserlicht können NV-Zentren in einen definierten Quantenzustand versetzt werden und ihre Polarisation auf umliegende Moleküle übertragen. Im Gegensatz zu anderen Ansätzen der Hyperpolarisation funktioniert dies bei Raumtemperatur und kommt für verschiedene Moleküle infrage.

Ausblick

Die quantenbasierte Krebsfrüherkennung befindet sich aktuell im Stadium der Grundlagenforschung. Bis zur klinischen Anwendung müssen noch zentrale Hürden überwunden werden. Beispielsweise zerfällt das hyperpolarisierte Signal durch die sogenannte T₁-Relaxation innerhalb von Sekunden bis Minuten. Im Gegensatz zur konventionellen MRT lässt es sich nicht direkt im Gerät erneuern, sondern muss extern neu erzeugt werden. Die Übertragung vom Labor in die Klinik erfordert also weitere Durchbrüche. Gelingt dies, könnte die quantenbasierte Bildgebung die Krebsfrüherkennung grundlegend transformieren – mit Untersuchungen, die Tumore in frühesten Stadien erkennen und den Therapieerfolg unmittelbar sichtbar machen.

Diese Inhalte stammen aus den "Technologie-Steckbriefen", die das Fraunhofer ISI in Modul 1