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Radarstation_SiekmannBild: Public Domain
  • Vortrag

Montagskolloquium WS 2022/23

Atomkrieg aus Versehen?

KI in atomaren Frühwarn- und Entscheidungssystemen von den 1980er Jahren bis heute

Jörg Siekmann (Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz, Saarbrücken)

  • , bis

Die Veranstaltung findet live im Forum der Zukunft im Proxy statt: https://www.deutsches-museum.de/forum-der-zukunft/besuch/anfahrt

Computergestützte Frühwarn- und Entscheidungssysteme sollen einen Raketenangriff - mit Atomwaffen - rechtzeitig erkennen, damit die eigenen atomaren Trägerraketen noch vor einem vernichtenden Einschlag aktiviert werden können (launch-on-warning).

Diese Systeme wurden in der Zeit des „Kalten Krieges“ erstmalig entwickelt und sind seither immer weiter verfeinert und technologisch verbessert geworden, da die Zeit zur Bewertung einer potenziellen Angriffssituation immer geringer geworden ist: sie liegt heute im Bereich weniger Minuten.

Die Entwicklung solcher Systeme ist auch eine Geschichte der Entwicklung der Informatik in den letzten 50 Jahren und wegen der immer kürzeren Vorwarnzeiten, wurden die Entscheidung und Bewertung der eingehenden Information immer stärker automatisiert. Heute werden daher immer mehr automatische Systeme unter Verwendung von Methoden der Künstlichen Intelligenz (KI) entwickelt und eingesetzt.

Aber auch KI-Systeme können bei solchen Anwendungen keine sicheren Ergebnisse liefern, denn die zugrundeliegenden Daten sind unsichervage und unvollständig. Automatische Erkennungsergebnisse gelten deshalb nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit und können falsch sein. Das Risiko eines Atomkriegs aus Versehen als Folge eines Fehlalarms und einer Fehleinschätzung der Gefährdungslage ist in den letzten Jahren daher erheblich gestiegen, und wird  im Fall einer internationalen Krise - wie zur Zeit - besonders bedrohlich.

Jörg Siekmann

Geb. 1941, war von 1991 bis 2006 Professor für Informatik und Künstliche Intelligenz an der Universität des Saarlandes und ist seitdem dort Seniorprofessor. Er promovierte 1976 in Artificial Intelligence an der University of Essex und wurde 1983 auf die erste deutsche Professor für Informatik und Künstliche Intelligenz an der Technischen Universität Kaiserslautern berufen. Er war maßgeblich beteiligt am Aufbau der KI-Forschung in Deutschland, ist Gründer und erster Sprecher der KI-Fachgruppe in der Deutschen Gesellschaft für Informatik (GI) und war Sprecher des SFB-378 »Resourcenadaptive kognitive Prozesse«. Von 1991 bis 2006 war er Direktor des 1989 von ihm mitgegründeten Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) und war Koordinator der Universität des Saarlandes für Digitale Bildung. Er wurde 2019 von der GI zu einem der zehn einflussreichsten KI-Forscher gewählt.

Veranstalter

Forschungsinstitut
Forschungsinstitut für Wissenschafts- und Technikgeschichte

Museumsinsel 1

80306 München

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