Seit ihrer ersten Einführung nach dem Zweiten Weltkrieg wurde von elektronischen Digitalrechnern erwartet, dass sie überall dort, wo sie eingeführt wurden Wirtschaft, Regierung, Wissenschaft, militärische Macht und schließlich alle Lebensbereiche tiefgreifend verändern würden. Noch immer ist das eine dominierende Erzählung: heute sagt man das KI »alles verändern wird«.
Diese Erwartung setzt die Macht der Technologie voraus, die Welt zu verändern. Viele Wissenschaftler argumentieren jedoch, dass die Gestaltung und Nutzung von Technologien von lokalen Machtverhältnissen, Bräuchen und Bestrebungen bestimmt wird. Im Buch Prophets of Computing (2022) wird diese Frage nach dem Verhältnis von Computern und lokalen kulturellen und politischen Umständen untersucht, indem öffentliche Debatten über die soziale Bedeutung von Computern in dreizehn Ländern verglichen werden. Im ersten Teil des Vortrags fasst Dick van Lente die Ergebnisse dieses Buches zusammen.
Die meisten Menschen aber nahmen nicht an öffentlichen Diskussionen teil, und sie machten oft Dinge mit Computern, die Experten überhaupt nicht erwartet hatten. Um daher die Erwartungen von Experten mit dem tatsächlichen Gebrauch von Computern zu vergleichen, wird Dick van Lente im zweiten Teil seines Vortrags Arbeiten von Kulturanthropologen präsentieren, die Computernutzungen untersucht haben in Lateinamerika, Afrika und Südasien – Orte weit entfernt von dort, wo Computer entworfen und gebaut wurden. Haben Computer ihre Welt so verändert, wie es die intellektuellen ‚Propheten‘ erwartet hatten?
Dick van Lente ist pensionierter Lektor für Kulturgeschichte an der Erasmus Universität in Rotterdam. Er gehört zum Redaktionsteam der Zeitschrift Technology and Culture. Er untersucht die Kulturgeschichte der Computer und deren Nutzung sowie die Kulturgeschichte des Kalten Krieges.
Ablauf und Hinweise
Mehr zum Vortrag
Wissenschaft für jedermann, Vortrag von Dick van Lente, 18. Februar 2026
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