
Bild: Deutsches Museum | Christian Illing
Arbeit und Alltag
Was darf Künstliche Intelligenz?
Die Welt wird digital: Roboter, KI, Big Data, Social Media und das Internet der Dinge machen unser Leben leichter, nehmen uns die Arbeit ab.
Die neuen Technologien sollen die Kommunikation zwischen Maschinen, Menschen und beiden Welten verbessern, bis sie nicht mehr voneinander zu trennen sind. Aber sie nehmen uns vielleicht auch die Arbeit weg, sammeln sensible Daten und werden zur Überwachung eingesetzt. So erlaubt die Puppe Cayla, aus der Ferne einen Blick in Kinderzimmer zu werfen. An einer Mitmachstation können die Besucher auf die Suche nach der KI unter ihnen gehen. Gadgets machen den Partner oder die Partnerin auch in einer Fernbeziehung fühlbar und eine möglichst menschenähnliche Maschine mit verstörend echter Haut soll einen Partner ganz ersetzen. Was darf die Maschine in Zukunft selbst entscheiden? In welchen Lebensbereichen möchten wir Roboter und Künstliche Intelligenz einsetzen - und in welchen nicht?
Einblicke
Arbeit & Alltag: Leben im digitalen Wandel
Unser Alltag verändert sich leise, aber grundlegend. Maschinen übernehmen Aufgaben, Algorithmen treffen Entscheidungen, vernetzte Geräte begleiten uns vom Aufstehen bis zum Schlafengehen. Der Ausstellungsbereich „Arbeit & Alltag“ im Zukunftsmuseum fragt, was dieser Wandel für uns bedeutet.
Im Mittelpunkt steht nicht eine einzelne Technologie, sondern ihr Zusammenspiel: Robotik, Künstliche Intelligenz, digitale Kommunikation und Kontrolle durch smarte Alltagsgeräte. Sie versprechen Zeitersparnis und Arbeitserleichterung, mehr Bequemlichkeit und neue Freiräume. Sie greifen aber auch tief in Arbeitswelt, private Bereiche und soziale Beziehungen ein. Viele dieser Systeme sind bereits Wirklichkeit, andere stehen kurz vor dem Einsatz oder bleiben bisher Vision.
Die Ausstellung zeigt, wie Technik unseren Alltag prägt: Wer arbeitet mit wem – Mensch oder Maschine? Wer kommuniziert mit wem und über welche Kanäle? Und wer sammelt dabei welche Daten? Technik zeigt sich hier nicht nur als Idee des Fortschritts, sondern prägt unser Handeln, unsere Entscheidungen und unser Selbstbild.
Wer behält die Kontrolle – wir oder die Systeme?
Mit dem Einzug digitaler Technologien in Arbeit und Privatleben stellen sich neue Fragen. Wie viel Verantwortung geben wir an Maschinen ab? Wenn Algorithmen Entscheidungen vorbereiten oder treffen, wer haftet für Fehler?
Auch Nähe und Vertrauen verändern sich. Wir sprechen mit Robotern, bauen emotionale Bindungen zu Maschinen auf und lassen smarte Geräte in intime Lebensbereiche einziehen. Gleichzeitig wächst die Menge persönlicher Daten. Wo endet Unterstützung, wo beginnt Überwachung? Und wie verändert sich Arbeit, wenn Tätigkeiten automatisiert werden und daraus neue Beschäftigungsformen entstehen?
Die Ausstellung liefert keine fertigen Antworten. Sie lädt dazu ein, diese Fragen selbst zu durchdenken – als Nutzerinnen und Nutzer von Technik und als Teil einer Gesellschaft, die ihre digitale Zukunft gestalten muss.
Technik in Arbeit & Alltag erleben: Objekte, Stationen und Mitmach-Angebote
„Arbeit & Alltag“ ist ein Erfahrungsraum. Besuchende begegnen Robotern, KI-Systemen und vernetzten Geräten als Interaktionspartnern. Im Bereich „Robotik und KI“ wird die Vielfalt heutiger Anwendungen greifbar: Kollaborative Roboter arbeiten mit Menschen in der Industrie, soziale Roboter wie die flauschige Therapierobbe Paro reagieren auf Berührungen und Stimmen und machen emotionale Bindungen sichtbar. Der Sexroboter Harmony verdeutlicht, wie tief die Technik in unsere intimsten Bereiche eingreift.
Ein besonderer Anziehungspunkt ist der humanoide Roboter AMECA, der mit Mimik, Gestik und Sprache in direkten Dialog tritt und Fragen nach Vertrauen und Täuschung aufwirft.
Interaktive Stationen zur KI erklären die Funktionsweise intelligenter Systeme und vergleichen klassische Algorithmen und selbstlernende neuronale Netze, etwa bei Bilderkennungsaufgaben. Besuchende erleben, wie KI durch Training besser wird, aber oft schwer erklärbare Entscheidungen trifft. Spiele wie „Bot or Not“ zeigen, dass Technik immer Wertentscheidungen enthält. Die Station „TRUST“ verdeutlicht, wie leicht sich Identitäten manipulieren lassen.
Der Bereich „Kommunikation“ behandelt Vernetzung und Daten. Im „Mediensturm“ wird sichtbar, wie schnell sich Informationen und Falschmeldungen verbreiten.
Ein Quantencomputer in der Ausstellung zeigt eine weitere Zukunftstechnologie: Er arbeitet mit Qubits, die mehrere Zustände gleichzeitig annehmen, und kann bestimmte Aufgaben deutlich schneller lösen. Aufgrund hoher technischer Anforderungen gilt er noch als empfindlich, bietet aber großes Potenzial, auch für KI.
Smarte Spiegel, Küchengeräte und sprachgesteuerte Systeme zeigen Komfort, aber auch Abhängigkeiten. Was passiert, wenn Systeme versagen?
Der Bereich „Kontrolle“ legt einen Schwerpunkt auf private Überwachung: Die Puppe „My Friend Cayla“ zeigt, wie schnell eine hilfreiche Technik zum Risiko werden kann. Wie wichtig der Schutz sensibler Daten ist, lässt sich an einer Hacking-Station selbst erfahren. Der Roboter „Cassandra“ aus der gleichnamigen Netflix-Serie rundet den Ausstellungsbereich schließlich thematisch ab und greift eine wichtige Zukunftsfrage auf: Wo bleiben Verantwortung, Moral und Kontrolle, wenn Künstliche Intelligenz nicht mehr Werkzeug, sondern Akteurin in der Gesellschaft wird?
„Arbeit & Alltag“ endet mit offenen Fragen und überlässt es den Besuchenden zu entscheiden, wie viel Technik sie in ihrem Leben zulassen möchten.



