
Bild: Ludwig Olah/Deutsches Museum
System Erde
Was machen wir aus der Erde?
Neue Technologien werden die Ressourcen des Planeten schonen und versprechen gleichzeitig Nahrung für alle, endlose Energie und Kontrolle über das Klima.
Doch die weltweite Bevölkerung wächst und mehr Menschen orientieren sich am westlichen Lebensstil - der Bedarf an Rohstoffen und Energie steigt. Der Ausstellungsbereich System Erde zeigt Technologien, die unseren Umgang mit den Ressourcen der Erde verändern könnten: Lebensmittel sollen nachhaltiger hergestellt, elektrischer Strom ohne Treibhausgasemissionen erzeugt und Rohstoffe wiedergewonnen werden. Die großen Zusammenhänge veranschaulicht ein riesiger, schwebender Globus. Acht Hochleistungsbeamer machen anhand von aktuellen Daten das System Erde und die Spuren, die unser Leben auf dem Planeten hinterlässt, sichtbar. Was können, was müssen und was dürfen wir also tun, um die Erde bewohnbar zu halten? Exponate, Mitmachstationen und Installationen wie der durch Projektion zum Leben erweckte “Müllberg” decken unbequeme Wahrheiten auf und stellen Lösungsvorschläge in Aussicht.
Einblicke
Rohstoffe, Klima, Energie – die Grundlagen unseres modernen Lebens
Was verbindet Streaming, Smartphones und Supermärkte? Sie funktionieren nur, weil im Hintergrund ein komplexes System aus Energie, Rohstoffen und globalen Lieferketten arbeitet. Der Ausstellungsbereich System Erde im Deutschen Museum Nürnberg macht dieses unsichtbare Netz sichtbar.
„System Erde“ zeigt die Erde als vernetztes Ganzes: Klima, Ozeane, Böden, Rohstoffe, Energieflüsse – und uns Menschen als Teil davon. Doch der menschliche Einfluss ist heute so groß wie nie zuvor. Klimawandel, Artensterben, Plastikflut oder überdüngte Böden belegen: Wir leben im Zeitalter des Menschen. Ressourcen sind begrenzt, ihre Verteilung ungleich – und unser Alltag hängt direkt davon ab.
Was bedeutet Nachhaltigkeit konkret? Und wie gerecht ist unser Zugriff auf das System Erde? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt der Ausstellung.
Es geht nicht um einfache Antworten, sondern um Zusammenhänge – zwischen Technik, Gesellschaft und unserem Verhalten.
Wer entscheidet über unsere Ressourcen? Technik zwischen Chance und Verantwortung
Neue Technologien sollen die Landwirtschaft so verbessern, dass sie mit weniger Wasser, Dünger und Energie auskommt – und trotzdem genug produziert. Doch jede Neuerung wirft Fragen auf:
- Wer entscheidet über den Einsatz von Geoengineering oder Tiefseebergbau?
- Wer bekommt Zugang zu neuen Lebensmitteln oder Energiequellen – und wer nicht?
- Darf der Mensch aktiv ins Klimasystem eingreifen?
- Und was heißt globale Verantwortung in einer vernetzten Welt?
„System Erde“ zeigt: Technik kann helfen, Ressourcen sparsamer zu nutzen oder den Ausstoß von Treibhausgasen zu senken. Aber sie nimmt der Gesellschaft nicht die Entscheidungen ab. Die Ausstellung will Diskussionen anstoßen – keine fertigen Antworten liefern.
Mitdenken, ausprobieren, diskutieren – die Stationen von „System Erde“
Der Ausstellungsbereich gliedert sich in mehrere Themenfelder. Besucherinnen und Besucher erleben nicht nur Informationen, sondern geraten in Situationen, in denen sie selbst abwägen, ausprobieren und vergleichen.
Ernährung der Zukunft
Am inszenierten Esstisch „Aufgetischt!“ treffen internationale Küchen auf nachhaltige Innovationen und Science-Fiction-Food. Algen-Burger stehen neben Insektenprotein und künstlich hergestelltem Fleisch aus dem Labor.
An der Station „Kommt Fleisch in Zukunft aus dem Labor?“ dreht sich alles um In-vitro-Fleisch – also Fleisch, das im Labor aus tierischen Zellen wächst – aus dem Bioreaktor. Es entsteht derzeit vor allem in Singapur, Israel und den USA, meist in Form von Hackfleisch.
Der „intelligente Bauernhof“ zeigt, wie Smart Farming mit Robotern, Drohnen und KI-gestützter Analyse Ernte, Düngung und Bewässerung steuern könnte.
An der Medienstation „Baue eine Vertikale Farm!“ passen Besucher Parameter wie Energiebedarf oder Flächennutzung an und erkennen dabei, wie anspruchsvoll geschlossene Anbausysteme in Städten sind.
Eine Projektion mit Science-Fiction-Szenarien stellt diese Ansätze utopischen und dystopischen Zukunftsbildern gegenüber, die eine scheinbar mühelose Versorgung zeigen.
Energie und ihre Kosten
Wie viel Energie verbraucht eine Online-Suche oder ein Video-Stream? An einer interaktiven Station können Besucher den Stromverbrauch digitaler Aktivitäten selbst „erkurbeln“. Was abstrakt klingt, wird so körperlich erfahrbar. Alternative Energiequellen werden anhand greifbarer Beispiele gezeigt: Das Gezeitenkraftwerk „O2“ von Orbital Marine Power nutzt die Meeresströmungen vor den Orkney-Inseln. Eine Stellaratorspule – ein Bauteil aus dem Kernfusionsreaktor „Wendelstein 7-AS“ in Garching – steht für die Vision der Kernfusion. Diese Technik ahmt die Energiegewinnung der Sterne nach. Doch trotz Großprojekten wie ITER ist es bisher nicht gelungen, Kernfusion wirtschaftlich nutzbar zu machen. Auch hier regt die Ausstellung zum Nachdenken an: Wie würde unbegrenzte Energie unsere Gesellschaft verändern?
Erdklima sichtbar gemacht
Ein drei Meter großer Globus bildet das Zentrum dieses Bereichs. Acht Projektoren werfen eine neunminütige Sequenz globaler Veränderungen auf seine Oberfläche: Wolken ziehen, Meere erwärmen sich, Städte wachsen, Lichtverschmutzung nimmt zu, CO₂ und Stickstoffdioxid verteilen sich, und vieles mehr.
Die Projektionen stützen sich auf Satellitendaten und Modellberechnungen, erstellt in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Eine interaktive Station unter dem Globus erklärt die Datenquellen und Hintergründe.
Die „Twin City“-Grafik zeigt, wie sich das Klima in Nürnberg bis 2070 entwickeln könnte – ähnlich dem heutigen Marseille.
Eine weitere Station beleuchtet weltweit laufende Geoengineering-Experimente, basierend auf Daten des „geoengineering monitor“.
Das historische Projekt „Atlantropa“ verdeutlicht, wie visionär und zugleich umstritten großtechnische Eingriffe in Umwelt und Klima sein können.
Rohstoffe, Kreisläufe und Müll
Ein „Wackelbild“ zeigt, wie viele Alltagsgegenstände ohne Rohstoffe wie Kobalt, Erdöl oder Sand verschwinden würden – zurück bleibt nur ein Naturkorken.
In der „Recyclebar“ lernen Besucher, welche Materialien sich gut recyceln lassen, etwa sortenreines Aluminium, und wo die Grenzen liegen, zum Beispiel bei Windkraft-Rotorblättern.
Der Prototyp „Patania II“ verkörpert die Idee, Manganknollen aus der Tiefsee zu bergen. Doch die Folgen solcher Eingriffe für kaum erforschte Ökosysteme bleiben ungewiss.
Am Ende des Bereichs erhebt sich der „Müllberg“. Er zeigt die wachsenden Abfallmengen – von Plastik über Elektroschrott bis zu Lebensmitteln – und stellt die Frage: Was geschieht, wenn Kreisläufe versagen?
Verantwortung im System Erde
„System Erde“ verbindet Ernährung, Energie, Klima und Rohstoffe zu einem großen Zusammenhang. Die Ausstellung präsentiert technologische Lösungen – vom Nebelfänger „CloudFisher“ zur Trinkwassergewinnung bis zu innovativen Filtersystemen gegen Wasserknappheit – und ordnet sie in einen gesellschaftlichen Rahmen ein.
Im Fokus steht nicht, wie wir „die Erde retten“, sondern wie wir unsere Lebensgrundlagen sichern. Für uns und die kommenden Generationen.



