Rätsel

Koloriertes Sonnenspektrum (Replika, Original: Archiv des Deutschen Museums NL 014/029/1 GF) Bild: Deutsches Museum
Von Fraunhofers Hand?
Bis heute hat uns Fraunhofer einige Rätsel und Geheimnisse hinterlassen. Zwei dieser Rätsel betreffen das berühmte handkolorierte Sonnenspektrum und das daumennagelgroße Glasgitter.
Das von schwarzen Linien unterbrochene Farbband ist vermutlich das bekannteste Bild, das mit Fraunhofer verbunden ist. Es ziert Buchtitel, Ausstellungsplakate und Briefmarken. Dieses Bild zeigt Frauhofers große Entdeckung auf einen Blick: Dunkle Linien, die die chemische Zusammensetzung der Sonne zeigen, der „Geheimcode der Sterne“. Dabei ist nur die Position der Linien wissenschaftlich relevant. Die ästhetische Farbgebung hat aber sicher zum Ruhm dieses Bildes beigetragen.
Seit langen wird angenommen, dass die zwei kolorierten Spektren im Archiv des Deutschen Museum von Fraunhofer selbst koloriert wurden. Aber das kritische Nachfragen gehört zur Natur der Geschichtsschreibung. Durch akribische Recherche konnte nun nachgewiesen werden, dass Fraunhofer mindestens ein Spektrum selbst eingefärbt hat. Diese Erkenntnis wurde durch neue Quellen ermöglicht: Zwei Briefe von Fraunhofer an den Forscher Samuel Thomas Soemmerring waren im Zweiten Weltkrieg durch Löschwasser unlesbar gemacht worden. Erst seit einer Analyse mit UV-Fotografie im im Jahr 2020 sind die Briefe wieder für die Geschichtsschreibung zugänglich. Welche Hand die Spektren im Deutschen Museum koloriert hat, ist weiter offen. Vielleicht bringen Materialanalysen der Pigmente hier neue Erkenntnisse.
Das Glasgitter Inv.Nr. 1977-1132 unter dem Elektronenmikroskop. Die senkrechten Streifen haben einen Abstand von etwa 22,5 Mikrometern. Bild: Deutsches Museum
Feine Linien
Glasgitter, evtl. von Fraunhofer, Inv.Nr. 1977-1132
Nicht nur mit Prismen kann man Licht in sein Farbspektrum zerlegen. Diese unscheinbare Glasplatte ist ein sogenanntes Beugungsgitter. Das Licht wird an zahlreichen geraden, eng beieinander liegenden Rillen im Glas von seinem geraden Weg abgebeugt. Die bei dieser Beugung entstehenden Lichtwellen überlagern sich so, dass die Farbbestandteile voneinander getrennt werden.
Fraunhofer experimentierte vermutlich ab 1819 mit Gittern. Dazu nutzte er zunächst eng nebeneinander aufgewickelte Drähte oder Fäden. In seinem endgültigen Verfahren ritzte er mit einer Diamantspitze mehrere tausend feinste Rillen sehr eng nebeneinander auf Glasplatten: pro Millimeter über 300 Linien!
Bis heute bleiben einige Rätsel: Was für einen Apparat nutzte Fraunhofer, um diese filigranen Arbeiten vorzunehmen? Und: Ist dieses Glasgitter wirklich von Fraunhofer? Die Forschungen dazu laufen. Mit dem Elektronenmikroskop des Deutschen Museums wurde dieses Glasgitter untersucht und mit Glasgittern von Fraunhofer aus der Sammlung des Münchner Stadtmuseums verglichen. Einiges spricht dafür, dass auch dieses Gitter tatsächlich von Fraunhofer bearbeitet wurde, aber ein endgültiger Nachweis steht noch aus.