Algorithmische Systeme zählen heute zu den aktivsten Nutzern digitaler Museumssammlungen. Schließlich sind Museen seit jeher Orte, an denen Wissen nicht nur bewahrt, sondern auch strukturiert und geordnet wird. Sie überführen die materielle Welt in Inventarbücher, Kataloge und Klassifikationssysteme. Auf analoge Ordnungssysteme folgten digitale: Datenbanken, Knowledge Graphs und Linked Data. Diese Ordnungen waren nie neutral; sie spiegelten disziplinäre Logiken, institutionelle Entscheidungen und gesellschaftliche Machtverhältnisse wider.
Nun treten KI-Systeme auf den Plan, welche diese Wissensordnungen fortschreiben, verschieben und neu konfigurieren. Sie durchsuchen, verknüpfen und verarbeiten Bestände – zunehmend ohne Beteiligung der Institutionen selbst. Das hochgradig strukturierte Wissen aus Museen dient ihnen dabei als "Ground Truth", als verlässliche Datengrundlage zur Justierung und Verifikation. Die neuen Ordnungen, die dabei entstehen, sind aber weder transparent noch nachvollziehbar.
Die Konferenz fragt:
- Wer ordnet das museale Wissen in Zukunft?
- Wie prägen vergangene Ordnungsentscheidungen die Wissensproduktion der Zukunft?
- Welche Folgen ergeben sich für Erschließungspraktiken und die digitale Quellenkritik?
- Können Museen den Anforderungen an eine "Ground Truth" gerecht werden?
Diese Fragen beleuchten wir aus historischer, epistemologischer und technischer Perspektive, mit besonderem Blick auf die digitale Museumspraxis und ihre infrastrukturellen Voraussetzungen.
Die Teilnahme an den Veranstaltung ist kostenfrei, eine Voranmeldung ist verpflichtend und bis zum 20. Oktober 2026 möglich.
Programm
26. November 2026
9:30–10:00
Begrüßung
10:00–11:00 | Keynote
Andreas Fickers (Université du Luxembourg)
11:30–12:30 | Panel I
Von Nelkenbrecher zu LLM: Zur Kanonisierung historischer Maß- und Gewichtseinheiten im digitalen Raum
Werner Scheltjens (Universität Bamberg)
Ground Truth als Machtfrage: Klassifikation, Terminologie und die Gefahr der Verzerrung (Arbeitstitel)
Franziska Klemstein (HTWK Leipzig)
13:30–14:30 | Panel II
KI-Systeme ↔ Ground Truth: Epistemologische Überlegungen aus Sicht der Digital Humanities
Tobias Hodel (Universität Bern)
Trust me! Zur Autorität musealen Wissens in algorithmisch vermittelten Wissensräumen
Christian Gries (Landesmuseum Württemberg)
14:30–15:00 | Panel III
Lightning Talks zur Postersession
15:00–16:00
Postersession
16:00–16:15
Zusammenfassung und Ausblick
27. November 2026
9:45–10:00
Begrüßung
10:00–11:00 | Panel IV
Ground Truth, Kuratierung und KI – Über Verantwortung und Kontextualisierung, wenn Kultursammlungen zu Daten werden (Arbeitstitel)
Clemens Neudecker (Staatsbibliothek zu Berlin)
Der KI-Assistent: neue Suchstrategien in der Forschung (Arbeitstitel)
Malte Rehbein (Universität Passau)
11:30–12:30 | Panel V
Zwischen Sammlungen und Wissensmaschinen. Kuratorische Verantwortung für algorithmische Wissensordnungen im Zeitalter generativer KI (Arbeitstitel)
Susanne Kurz (Universität zu Köln)
Wenn Wissen billig wird, wird Wahrheit teuer. Wissenschaft und Museen nach dem Ende des menschlichen Monopols auf Wissensarbeit
Holger Simon (Deutsches Bergbau-Museum Bochum)
13:00–14:00 | Panel VI
Podiumsdiskussion
Moderation: Antje Schmidt (Deutsches Schifffahrtsmuseum)
14:00–14:15
Fazit und Abschluss

