KI-Musik – Pop-Revolution aus dem Computer? Künstliche Intelligenz kann heute in wenigen Minuten Musik erzeugen, für deren Produktion Menschen früher Tage oder Wochen benötigt haben. Doch was bedeutet das für Kreativität, musikalisches Handwerk und die Zukunft der Musik? Hören wir einen Unterschied zwischen menschlich und maschinell erzeugter Musik überhaupt noch? Und wenn ja: Wo liegt dieser Unterschied – und ist er für das Publikum überhaupt entscheidend?
Kontroverses Thema
Auf den Streamingplattformen ist die Entwicklung längst sichtbar. KI-generierte und KI-gestützte Musik nimmt einen immer größeren Raum ein und stellt die Musikbranche vor grundlegende Fragen: Wem gehört ein KI-generiertes Werk? Wer ist sein Urheber? Welche Rolle bleibt dem Menschen im kreativen Prozess? Wie sollen Künstlerinnen und Künstler künftig vergütet werden? Und wie verändert sich der Wert von Musik, wenn sie praktisch auf Knopfdruck entstehen kann?
Die Diskussion darüber ist kontrovers. Während die einen in Künstlicher Intelligenz ein neues kreatives Werkzeug und enorme Chancen für Musiker und Produzenten sehen, warnen andere vor einer Entwertung menschlicher Kreativität, einer Überflutung der Plattformen und den Folgen für professionelle Musikschaffende. Auch die Streaminganbieter stehen vor der Herausforderung, mit der wachsenden Menge KI-basierter Musik umzugehen.
Daniel Troha: Perspektive aus Produzentensicht
Eine fundierte Perspektive auf diese Entwicklung bringt Daniel Troha mit. Der Musiker, Komponist und Produzent verfügt über eine klassische Klavierausbildung und langjährige Erfahrung in der Musikbranche. Als Autor und Produzent arbeitete er unter anderem für Künstler wie Sarah Connor und die No Angels und war bei Major-Verlagen wie BMG und Universal Music Publishing unter Vertrag.
Mit dem Kölner Musiklabel Smopp Records beschäftigt er sich heute intensiv mit der Schnittstelle von Musik und Künstlicher Intelligenz. Das Label entwickelt und veröffentlicht Musik, die mithilfe von KI entsteht – von KI-gestützten und hybriden Produktionen bis hin zu vollständig KI-generierten Werken. Im Vordergrund steht dabei nicht etwa die Technologie selbst, sondern vor allem eine grundlegende Frage: Wie verändert sich musikalische Kreativität, wenn Mensch und Maschine gemeinsam am Entstehungsprozess beteiligt sind?
Wie das konkret funktioniert, zeigt Daniel Troha am 7. Oktober 2026 im Deutschen Museum Bonn anhand verschiedener Projekte und KI-Artists von Smopp Records. Ein Beispiel ist KAI NØIR, ein virtueller Artist, dessen Musik, Erscheinungsbild und fiktive Künstlerbiografie mithilfe moderner KI-Technologien entwickelt wurden. KAI NØIR veranschaulicht exemplarisch, wie aus einer Idee mithilfe von KI ein eigenständiges musikalisches und visuelles Künstlerkonzept entstehen kann.
Bild: Daniel Troha | danieltroha
Wie entsteht ein KI-Artist?
In einem interaktiven Werkstattbericht gibt Daniel Troha Einblicke in diesen Entstehungsprozess. Welche Aufgaben übernimmt der Mensch? Welche übernimmt die KI? Wo beginnt kreative Entscheidung und wo endet technologische Unterstützung? Und wie viel musikalisches Handwerk steckt noch in einem Stück, das mit Hilfe Künstlicher Intelligenz entstanden ist?
Anhand konkreter Beispiele zeigt er die verwendeten Werkzeuge und Produktionsschritte und demonstriert, wie seine musikalische Erfahrung mit modernen KI-Systemen zusammenwirkt. Dabei wird auch deutlich, dass KI-Musik keineswegs nur eine Frage des »Knopfdrucks« ist: Zwischen einer Idee und einem fertigen Song liegen kreative Entscheidungen, Auswahlprozesse, Komposition, Arrangement, Produktion und die Frage, welche Rolle der Mensch in jedem einzelnen Schritt übernimmt.
Song-Premiere und Diskussion
Ein besonderer Teil des Abends ist die Premiere des neuesten KAI-NØIR-Tracks »Sacrifice«, der an diesem Abend erstmals öffentlich präsentiert wird.
Im Anschluss stellt sich Daniel Troha der Diskussion mit dem Publikum. Im Mittelpunkt stehen dabei die Chancen und Grenzen von KI in der Musik, die Auswirkungen auf Musikerinnen und Musiker sowie die möglichen Veränderungen für eine gesamte Industrie, deren Geschäftsmodelle und Produktionsweisen sich gerade grundlegend wandeln.
»Sacrifice« bleibt dem Deutschen Museum Bonn auch über die Veranstaltung hinaus erhalten: Das Stück ist Teil eines neuen Exponats, mit dem sich Museumsgäste ab dem 8. Oktober interaktiv mit der Frage auseinandersetzen können, wie Künstliche Intelligenz die Entstehung und Wahrnehmung von Musik verändert.

Bild: Daniel Troha
Über den Referenten
Daniel Troha (*28. Februar 1975 in Hanau) ist ein deutscher Musikproduzent, Komponist, Songwriter, Remixer und DJ mit mehr als 30 Jahren Erfahrung in der internationalen Musikbranche. Seine musikalische Laufbahn begann bereits Alter von vier Jahren mit ersten Weihnachtsliedern auf einem kleinen Keyboard, später legte unter anderem eine klassische Klavierausbildung die Grundlage für sein weiteres Schaffen. Seit Mitte der 90er-Jahre ist er als Produzent und Autor aktiv, arbeitete er an zahlreichen nationalen und internationalen Produktionen und entwickelte sich zu einem vielseitigen Produzenten, der unterschiedliche Genres von Pop und Dance über EDM und House bis hin zu deutschsprachigem Pop und Schlager miteinander verbindet.
Zu seinen bedeutenden Stationen zählt die Zusammenarbeit mit Major-Labels und internationalen Musikunternehmen wie BMG und Universal Music Publishing. Seine Diskografie umfasst unter anderem Arbeiten für Magic Affair, Four Colourz, R’n’G, Sarah Connor, No Angels, Nina Badrić, Gloria Estefan, Linda Freeland, Ella Endlich, Zeitflug, Caleidescope, Yasmin Hutchins und weitere nationale und internationale Künstler. Neben seiner Tätigkeit als Produzent entwickelte Troha zunehmend eigene Projekte und Strukturen. Gemeinsam mit Thorsten Fuchs baute er »INSPIRIT MUSIC PRODUCTION« auf – ein unabhängiges Musiklabel mit angeschlossenem Produktions- und Publishing-Bereich. Seit Januar 2025 ist Daniel Troha Geschäftsführer der 2024 gegründeten Gesellschaft »SMOPP Records« – das erste Musikunternehmen Deutschlands, das sich auf AI-generierte Musik und die Verbindung von künstlicher Intelligenz mit menschlicher Kreativität konzentriert. Das Unternehmen entwickelt eigene Künstler- und Musikprojekte und verfolgt dabei einen modernen, daten- und streamingorientierten Ansatz.

Bild: Daniel Troha
KAI NØIR ist ein von Smopp Records entwickelter KI-Artist. Seiner fiktiven Biografie zufolge ist er ein 19-jähriger Underground-Produzent, der 2006 unter dem bürgerlichen Namen Kasper Niemi in Helsinki geboren wurde und heute in Kopenhagen lebt. Wie sein »Mit-Erschaffer« Daniel Troha lernte auch er im Alter von vier Jahren Klavier und entwickelte früh eine tiefe Verbindung zum Klang – wobei er klassische Sensibilität mit einer Leidenschaft für analoge Texturen und Grooves verbindet.
Seinen Stil beschreibt das Label wie folgt: »In seinem schwach beleuchteten Heimstudio kreiert er zurückhaltenden, hypnotischen Tech-House: minimalistisch, groove-orientiert und von dunkler Eleganz. Beeinflusst von tiefem Minimalismus, analoger Wärme und moderner Club-Ästhetik produziert er ausschließlich mit FL Studio und findet Klarheit sowie Ruhe in reduzierten Patterns und nächtlichen Sessions. Sein Sound verbindet maschinelle Loops mit menschlichem Puls und ist wie gemacht für intime Dancefloors und stilvolle Schattenwelten.«
Bild: Daniel Troha