
Bild: Deutsches Museum | Eric Alexander Lichtenscheidt
»Klimt – KI – Kunst« im neuen KI:Kabinett
Wie Kunstexperten und KI gemeinsam das Farbgeheimnis der verschollenen Klimt-Gemälde lüfteten
Das Deutsche Museum Bonn hat eine neue Attraktion: Die Ausstellung »Klimt – KI – Kunst« im neuen »KI:Kabinett« zeigt anschaulich, wie künstliche und menschliche Intelligenz zusammenarbeiten können, um gemeinsam der Farbgebung verloren geglaubter Gemälde auf die Spur zu kommen.
Es ist eines der großen Geheimnisse der Kunstgeschichte: In den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges verbrannten drei bedeutende Gemälde des Malers Gustav Klimt (1862 -1918). Ursprünglich hatte Klimt die sogenannten »Fakultätsbilder« im Auftrag der Universität Wien gemalt. Die großflächigen Werke sollten drei Fakultäten darstellen: die Philosophie, die Jurisprudenz und die Medizin. Wegen ihrer unkonventionellen Ausführung, vor allem aber wegen der freizügigen Darstellung nackter Haut, stießen die Bilder beim Auftraggeber auf Ablehnung und so gingen sie in den Besitz privater Sammler über.
Um sie vor der Zerstörung durch alliierte Bombenangriffe zu schützen, wurden die Bilder im Zweiten Weltkrieg gemeinsam mit vielen anderen Kunstgegenständen aus Wien in das niederösterreichische Schloss Immendorf ausgelagert – welches in den letzten Kriegstagen jedoch in Flammen aufging. Seitdem gelten Klimts Fakultätsbilder als verschollen. Wie die mehr als 4 Meter großen Gemälde einmal ausgesehen haben, zeigten nur noch Schwarz-Weiß-Fotografien und einige zeitgenössische Beschreibungen. Ihre Farbgebung blieb daher weitgehend rätselhaft.
Bild: Deutsches Museum | Eric Alexander Lichtenscheidt
Bild: Deutsches Museum | Eric Alexander Lichtenscheidt
Rekonstruktion mit KI und Kunstverstand
Emil Wallner, KI-Forscher bei »Google Arts & Culture« hatte die Idee, die Farbgebung der Gemälde mittels maschinellen Lernens zu rekonstruieren. Doch alleine konnte Künstliche Intelligenz die Aufgabe nicht lösen. Erst zusammen mit dem Kunsthistoriker und Klimt-Experten Dr. Franz Smola vom Wiener »Belvedere« gelang das erstaunliche Kunststück, den Gemälden ihre Farben wiederzugeben.
Wie das Team dabei vorgegangen ist, welche Hindernisse es zu überwinden galt und welche Überraschungen zum Vorschein kamen, kann im »KI:Kabinett« im Deutschen Museum Bonn jetzt interaktiv und multimedial erlebt werden. Die Kabinettausstellung »Klimt – KI – Kunst«, deren Inhalte größtenteils von »Google Arts & Culture« in Zusammenarbeit mit dem »Belvedere« in Wien erarbeitet wurden, stellt den Künstler Gustav Klimt, die Geschichte seiner Fakultätsbilder sowie den Rekonstruktionsprozess anschaulich und unterhaltsam dar. Kunsthistorische Vorkenntnisse sind nicht erforderlich!
Bild: Deutsches Museum | Eric Alexander Lichtenscheidt
Das neue KI:Kabinett im Deutschen Museum Bonn
Das »KI:Kabinett« ist die neue dauerhafte Wechselausstellung im Deutschen Museum Bonn – Forum für Künstliche Intelligenz. Die vier atmosphärisch gestalteten Räume behandeln wechselnde Schwerpunktthemen aus dem Spannungsfeld zwischen Kunst und KI. Den Anfang macht die Kabinettausstellung »Klimt – KI – Kunst« über den Einsatz von Künstlicher Intelligenz bei der Rekonstruktion der Farbgebung von drei verlorenen Gemälden des Malers Gustav Klimt, die hier mindestens bis zum Jahresende 2026 zu sehen sein wird.

Bild: Deutsches Museum | thema gestaltung / utz Visuelle Gestaltung
»Klimt, Kringel, Kritzelspaß!«
Begleitet wird die Kabinettausstellung von einem kindgerechten, kreativen Workshop rund um das Geheimnis der verschollenen Bilder und die Farbwelten des Künstlers Gustav Klimt. Kinder von 6-10 Jahren können hier erleben, wie Farben in verloren geglaubte Bilder zurückkehren, lustige Monster malen, starke Göttinnen kennenlernen, Kringel, Spiralen und bunte Ornamente mit Goldpapier gestalten, blühende bunte Blumenwiesen mit Filterpapier entstehen lassen und gemeinsam auf spannende Bilder-Entdeckungsreisen gehen. Auch für Kindergeburtstage geeignet!