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Die LFU 205 zählt zu den ersten Motorflugzeugen in Kunststoffbauweise (glasfaserverstärkter Kunststoff, GFK).

Die deutschen Flugzeugbauer hatten durch den Bau von Segelflugzeugen (Phönix, Phoebus) und Hubschrauberrotorblättern (Bo 105) bereits einen Entwicklungsvorsprung bei der GFK-Bauweise. Dieser sollte mit der LFU 205 auf ein viersitziges Motorflugzeug mit Einziehfahrwerk übertragen werden, um Erfahrung mit hochbelasteten GFK-Bauteilen zu sammeln.

Der Erstflug erfolgte am 29. März 1968. Das Experimentalflugzeug blieb ein Einzelstück, es wurde nicht in Serie gebaut. Nach Ablauf der Flugerprobung und des Forschungsauftrags ging die LFU 205 an die Deutsche Forschungs- und Versuchsanstalt für Luft- und Raumfahrt (DFVLR, heute DLR) über. Seit 1984 flog es als Forschungsflugzeug  und diente u.a. als Entwicklungsträger für laminare Tragflügelprofile. Die Tragflügel wurden durch die Installation eines sogenannten Handschuhs mit modernen Laminarprofilen verändert. Zur Untersuchung der daraus resultierenden geänderten Profil- und aerodynamischen Eigenschaften wurde eine Bordmessanlage auf den hinteren Sitzen integriert. 2017 wurde die LFU außer Dienst gestellt, der letzte Flug führte am 22. Juni 2017 zum Flugplatz Schleißheim.

Mit der LFU 205 wurden unter anderem folgende Untersuchungen durchgeführt:

  • Messungen der Druckverteilung und des Widerstands an Tragflügelprofilen
  • Grenzschichtuntersuchungen, mit denen der Einfluss von Reibung am Tragflügelprofil gemessen wird
  • Beobachtungen des laminar-turbulenten Umschlags mittels Infrarot-Technik
  • Untersuchungen zur Beseitigung des laminar-turbulenten Umschlags, der beispielsweise durch Verschmutzung des Tragflügelnasenbereichs, wie sie durch Insekten oder Vereisung entsteht, hervorgerufen wird.

Die turbulente Umströmung eines Tragflügelprofils erzeugt infolge von Verwirbelungen und Querströmungen einen höheren Reibungswiderstand (hohen Treibstoffverbrauch). Man ist daher bestrebt, die Strömung um ein Profil über eine möglichst lange Strecke laminar zu halten, das heißt, Verwirbelungen/Querströmungen zu verhindern und dadurch den Reibungswiderstand zu minimieren.

Technische Daten:

  • Hersteller: Leichtflugtechnik-Union GmbH (LFU), Bonn, 1968
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  • Länge: 7,4 m
  • Spannweite: 10,5 m
  • Startmasse: 1280 kg
  • Leermasse: 945 kg
  • Reisegeschwindigkeit: 270 km/h
  • Mindestgeschwindigkeit: 116 km/h
  • Reichweite: 1.000 km
  • Triebwerk: luftgekühlter 4-Zylinder-Boxer-Flugmotor Lycoming I0-360
  • Leistung: 147 kW