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Farben sind mit der menschlichen Kultur eng verbunden. Dies wird schon an den steinzeitlichen Höhlenmalereien wie etwa in Altamira deutlich. In der Antike und bis weit in die Neuzeit hinein waren Purpur, Karmin, Krapprot und Indigo, die seit jeher für dekorative und künstlerische Zwecke verwendet wurden, äußerst begehrt. Die aufwendige Gewinnung machte diese Naturfarbstoffe entsprechend kostbar. Mit der industriellen Herstellung von Farbstoffen wurde die Welt in allen Lebensbereichen bunter.

Die bunte Vielfalt an Originaldokumenten präsentiert das Archiv des Deutschen Museums am 2. März, dem Tag der Archive. „Technik- und Wissenschaftsgeschichte in Farbe“ lautet das Thema der Vitrinenausstellung und Magazinführungen.

Als wertvolle Zeugnisse der Buchmalerei sind auch im Archiv des Deutschen Museums verschiedene kolorierte Buchhandschriften überliefert. In der nach der Tiroler Stadt Schwaz benannten Handschrift „Schwazer Bergbuch“ springen vor allem die bunten Miniaturen ins Auge. Sie illustrieren sehr anschaulich die Arbeit und das Leben im frühneuzeitlichen Kupfer- und Silberbergbau. Handkoloriert ist auch das berühmte Sonnenspektrum von 1814, das im Nachlass von Joseph von Fraunhofer überliefert ist. Schon unter seinen Zeitgenossen hatte die farbige Variante bei Vorführungen besonderen Eindruck gemacht. Dabei sind für die Wissenschaftsgeschichte eigentlich die über 500 dunklen Linien das Spektakuläre. Fraunhofer hatte diese Linien bei Experimenten zur Glasherstellung beobachtet, als er Sonnenlicht durch ein Prisma leitete.

Lichtechte und lebendige Farben waren infolge der Erfindungen von Spinnmaschinen und dampfbetriebenen Webstühlen zu Fraunhofers Lebzeiten auch in der Textilindustrie immer mehr gefragt. Zeugdruckereien und Tuchfabriken präsentierten ihre Motive in Stoffmusterbüchern. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden erste synthetische Farbstoffe entwickelt. Zur großtechnischen Herstellung und Vermarktung wurden auch in Deutschland verschiedene Fabriken gegründet, so 1865 die Badische Anilin- und Sodafabrik (BASF) in Ludwigshafen. Der erste Forschungsleiter der BASF war Heinrich Caro (1834–1910), dessen umfangreicher Nachlass im Archiv des Deutschen Museums überliefert ist. In den Briefen, Dokumenten und Farbmustern lassen sich seine Forschungsarbeiten und die Zusammenarbeit mit anderen Chemikern, die u.a. zum roten Farbstoff Alizarin als ersten weltweiten Verkaufsschlager der BASF oder zur Entdeckung des ebenfalls roten Farbstoffs Eosin führten, sehr gut nachvollziehen.

Auch in der Buch- und Papierwelt spielten Farben eine wichtige Rolle, was insbesondere an der langen Tradition der Buntpapiere deutlich wird. Sie dienten als Veredelung für Bücher, Möbel und wurden sogar als eigenständige Kunstwerke geschaffen. Die ganze Bandbreite an Buntpapieren mit rund 15 000 Beispielen von etwa 1600 bis 1900 ist in der Sammlung Hübel vorhanden. Weitere „Farbe im Archiv“ kommt aus der Museumsgeschichte, wie der Entwurf für den „Wagen der Farbe“ zum Festumzug anlässlich der Museumseröffnung 1925, eine frühe Farbfotografie des Museumsgründers oder Beispiele aus dem umfangreichen Bestand der Museumsplakate.

Zudem gibt es den Kulturfilm „Spiel in Farben“ von 1960 zu sehen. In „dichterischer und musikalischer Komposition“ wird dem Zuschauer das Wunder der Farben nähergebracht. Übrigens spielt dabei auch das Deutsche Museum und ein Besuch auf dem Oktoberfest eine Rolle.

Programm:

  • Ausstellung „Technik- und Wissenschaftsgeschichte in Farbe“, 10 bis 17 Uhr
  • Filmvorführung (regelmäßig): „Spiel in Farben“, Kulturfilm 1961
  • Magazinführungen: 10 Uhr | 13 Uhr| 16 Uhr

Zu Gast im Deutschen Museum:

Wie immer sind im Deutschen Museum wieder andere Münchner Archiveinrichtungen zu Gast:

  • Archiv der Akademie der Bildenden Künste München: Ausstellung zu den Schwabylonfesten der Akademie in den 1950er-Jahren
  • Bayerische Staatsbibliothek, Abteilung Handschriften und Alte Drucke, Referat für Nachlässe und Autographen: „Buchkunst aus München: Werke von Paul Renner und Emil Preetorius“
  • TUM.Archiv: Ausstellung zu „Farbe im Programm der TUM: Der Nachlass des Professors für Literaturgeschichte Emil Sulger-Gebing (1863–1923)“
  • Universitätsarchiv der LMU mit dem Archiv des Herzoglichen Georgianums: Einblicke in nicht genehmigte Plakate und Bekanntmachungen an der Ludwig-Maximilians-Universität zwischen 1910 und 1930 sowie in die Werbeprospekte-Ausschnittsammlung des Georgianums unter dem Titel „Ein kirchliches Kunstmuseum auf Papier“

Initiator des bundesweiten „Tags der Archive“, der in diesem Jahr bereits zum zwölften Mal stattfindet, ist der Verband deutscher Archivarinnen und Archivare (VdA). In der Landeshauptstadt München, wo eine ausgesprochen vielfältige und aktive Archivlandschaft existiert, beteiligen sich an diesem Tag 26 Einrichtungen an der Veranstaltung. In dem Gemeinschaftsblog der Münchner Archive werden in den nächsten Wochen die sehenswerte Programmpunkte der einzelnen Archive vorgestellt.