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Mieten werden teurer, Ressourcen knapper und es mangelt weltweit an Wohnraum: Da scheint der Umzug in ein „Tiny House“ doch nur Vorteile zu bieten – oder? Der Neuzugang im Ausstellungsbereich System Stadt des Deutschen Museums Nürnberg stellt nicht nur die Frage, wie viel Platz wir wirklich zum Leben brauchen, sondern auch, wer in der Stadt der Zukunft überhaupt wohnen darf.

Das „PickUp House“ bietet gerade mal 2,5 Quadratmeter Wohnfläche. Da das Wohnen in einem „Tiny House“ nachhaltig und günstig sein soll, darf kein Platz verschwendet werden. Ein Alltag nur mit dem Nötigsten fordert aber Kreativität und Flexibilität. Wie schläft es sich in einem Haus, das gerade mal zwei Meter lang ist? Was tun, wenn der Magen knurrt? Oder die Blase drückt? Ab dem 13.September 2022 können Besucherinnen und Besucher im Zukunftsmuseum testen, ob sie sich ein Leben im PickUp House vorstellen könnten. Auf der Ladefläche eines Transporters befestigt, bietet das Original-„PickUp House“ obdachlosen Menschen in Berlin eine Unterkunft. Das Pilotprojekt könnte bald auch in anderen Städten freie Flächen besser nutzen – vorausgesetzt, es sind genug Menschen auch gewillt, beispielsweise Parkplätze in Wohnraum verwandeln zu lassen. Ausreichend Bereitschaft vorausgesetzt, könnten in Zukunft sogar komplette Dörfer aus Minihäusern entstehen.

„Ich bin durch eine Fernsehdokumentation auf des PickUp House aufmerksam geworden, und war sofort berührt“, sagt Jana Müller, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Museums in System Stadt. „Man fragt sich als eher verwöhnter Mitteleuropäer doch unweigerlich, wie viel Platz zum Wohnen wirklich nötig ist und welche Alternativen uns in Zukunft unter Umständen als lebenswert erscheinen können.“

Marion Grether, Leiterin des Zukunftsmuseums, sieht im Tiny House eine konsequente Fortentwicklung im Konzept der Ausstellung System Stadt, das neben Wohnraumsituationen eben auch Mobilitätsaspekte behandelt. „Wir müssen mit der Vorstellung aufräumen, dass in Zukunft in sämtlichen Lebensbereichen alles immer noch größer und komplexer wird. Das PickUp House mag ein Extrem in die andere Richtung sein, zeigt aber eindrucksvoll, dass rein auf Wachstum geprägtes Denken auf manche Ansätze nicht kommt.“ Am Berliner PickUp House gefällt Grether besonders auch der pragmatische Ansatz, ein Fahrzeug mittels relativ wenig Material in ein kleines Eigenheim zu verwandeln. „Out-of-the-box-Denken wie dieses fasziniert mich schon immer.“

Zahlen zum PickUp House:

Breite: 1,25 m

Länge: 2,00 m

Höhe: 2,06 m

Grundfläche 2,5 m2

Architekt: Van Bo Le-Mentzel