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 Und zwar immer dann, wenn Ideen nicht in Köpfen bleiben, sondern ihren Weg in die Außenwelt finden. Dazu will das Team des Deutschen Museums Nürnberg mit der Sonderausstellung „Prototypen - Einen Versuch ist es wert“ beitragen, die am 27. Oktober eröffnet wird.

Prototypen sind die Schnittstelle zwischen Gegenwart und Zukunft. Sie lassen uns heute erleben, was morgen sein könnte. Das Zukunftsmuseum verdeutlicht in der Dauerausstellung verschiedene Zukunftsszenarien anhand von Prototypen. Daher liegt es nahe, sich in einer Wechselausstellung mit der Frage zu beschäftigen, was Prototypen eigentlich sind und wie sie entstehen. Technologien wie 3D-Druck machen es möglich, schnell und kostengünstig funktionale Prototypen zu erstellen. Auf diese Weise ist es heutzutage Allen möglich, sich an der Zukunftsverhandlung aktiv zu beteiligen. Die Ausstellung macht Mut, inspiriert und motiviert, selbst aktiv zu werden und die eigenen Zukunftsvorstellungen in die Welt zu tragen.

Die Ausstellung kann aber auch selbst als Prototyp aufgefasst werden, mit welchem das Museum Fragen nach der Ausstellbarkeit von Zukunftsthemen und prototypischen Aufbauten bearbeitet. Die neue Fläche lädt dazu ein, verschiedene Ausstellungsstandards zu hinterfragen und neue Ideen auszuprobieren. Daher werden bisherige Standards der Dauerausstellung zugunsten neuer prototypischer Formate aufgegeben.

Zu den gezeigten Exponaten zählt etwa der BeTriton, eine einzigartige Kombination aus Fahrrad, Boot und Camper. Dieses Ausstellungsstück erzählt die komplette Geschichte von einer Idee über verschiedene Prototypen bis hin zu einem vermarktbaren Produkt und gibt damit einen Überblick über die verschiedenen Stadien des Prozesses. Anhand verschiedener weiterer Objekte behandelt die Ausstellung den Prototyping-Prozess. Wie und mit welchem Ziel entstehen Prototypen? Was bedeutet es, wenn man während des Prototypings auf Hindernisse stößt und vielleicht sogar erkennen muss, dass die eigene Idee doch nicht so brillant war? Und ist Scheitern wirklich immer eine Schande?

„Die Annäherung an dieses vielschichtige Ausstellungsthema war für uns durchaus herausfordernd“, sagt Dagny Müller, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Deutschen Museum Nürnberg und Kuratorin der Sonderausstellung. „Und zwar nicht, weil es so schwierig wäre, an geeignete Exponate zu kommen, sondern weil die Festlegung auf einige wenige Stücke uns so schwergefallen ist.“ In Müllers Fokus habe aber gestanden, möglichst alle Aspekte des Prototypings auf den rund 120 Quadratmetern der Sonderfläche zu vereinen. „Mittendrin ist uns aufgefallen, dass auch unsere Schau nichts Anderes ist, als ein Prototyp für Sonderausstellungen im Zukunftsmuseum“, resümiert Müller.

Auch für Sven Klomp von Impuls-Design, der externen Gestaltungsagentur, die die Ideen in die greifbare dritte Dimension gebracht hat, war diese Aufgabe nicht minder herausfordernd: „Uns wurde deutlich, dass Prototypen viele Versuche brauchen. Dies wollten wir darstellen. Schnell war mir klar, dass ich mit starken Farben arbeiten will: Cyan, Gelb, Magenta, aus denen dann in Überlappung das ganze Farbenspektrum gebildet werden kann“. Außerdem setzte Klomp die Schau als großen „Makerspace“ um: „Um die Prozesshaftigkeit darzustellen, haben wir uns für ein Element entschieden, welches einerseits in der Höhe variiert und andererseits in Kombination mit anderen Elementen verschiedene räumliche Situationen kreieren kann.“ Das Scherenhubpodest ist das zentrale Gestaltungselement und steht symbolhaft für die Fertigung von Produkten. Mit diesem werden die unterschiedlichen Funktionen und Spielweisen dieser Ausstellung erzählt. „Ob Vitrine, Tisch oder interaktives Exponat, das Scherenhubpodest bildet die räumliche Basis dieser Funktionen“, so Klomp.

„Die Prototypenschau war von Anfang an eine Herzensangelegenheit von mir“, sagt auch Marion Grether, Direktorin des Deutschen Museums Nürnberg. „Bereits in der Analyse und der permanenten Überarbeitung unserer Dauerausstellung stoßen wir immer wieder auf die immense Bedeutung von Prototypen und Prototyping, weswegen eine Sonderschau zu diesem Thema mit einem starken Fokus auf ein lebendiges Rahmenprogramm in die Dauerausstellung, aber auch in die offene Welt, ein konsequenter Schritt ist“, so Grether weiter. Keine Zukunftsgestaltung ohne Prototypen – „da ist es doch eigentlich klar, dass wir Prototyping einfach lieben!“

Da ein Museum nur einen begrenzen Einblick in so ein komplexes Thema wie Prototyping geben kann, ist ab Anfang November ein umfangreiches Rahmenprogramm geplant, bei dem Exkursionen zu externen Makerspaces ebenso auf dem Programm stehen wie besondere Vorträge und Mitmachaktionen. Die Sonderausstellung im Museum ist bis 18. Juni 2023 geöffnet. Der Besuch ist im normalen Eintritt inbegriffen.

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