Direkt zum Seiteninhalt springen

Die Geschichte des Siemens-Studios beginnt im Jahr 1955. Bei Siemens entstand gerade eine aufwändige Filmdokumentation über den eigenen Konzern.

Dazu wurde eine ebenfalls aus dem Rahmen fallende Filmmusik gesucht. Durch Vermittlung von Carl Orff geriet man an den jungen Komponisten Josef Anton Riedl und damit an eine drastisch moderne elektronische Klanggestaltung. Riedl erhielt jede gewünschte Unterstützung; man stellte ihm das firmeneigene elektroakustische Versuchslabor mit seinen hochqualifizierten Technikern zur Verfügung. Komfortable Tongeneratoren wurden entwickelt, ein in Kriegszeiten zur Sprachverschlüsselung vorgesehener Vocoder wurde für musikalische Anwendungen modifiziert; weitere Tonquellen (Rauschen, Impulse), Klangfilter, Tonbandgeräte und Mischeinrichtungen kamen dazu. Außerdem konnte man die Klänge mit einem Frequenzumsetzer verfremden und künstlichen Nachhall erzeugen. Viele dieser Geräte gab es wohl auch anderswo; einzigartig war jedoch, dass man keine Bandstücke mehr zusammenkleben musste: Auf Riedls Veranlassung wurde die gesamte Apparatur mit einer automatischen Steuerung ausgerüstet - nur im New Yorker RCA-Studio besaß man etwas annähernd Vergleichbares.