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Teleskope für die Himmelsbeobachtung auf der Terrasse des Deutschen Museums.Bild: Deutsches Museum, Archiv, CD 85520
  • Vortrag

Montagskolloqium

Non-Compliance. Zur juristischen, politischen und medizinischen Debatte über die Selbstverantwortung militanter Hungerstreikender in den 1980er Jahren

Heiko Stoff Medizinische Hochschule Hannover

Digitaler Veranstaltungsort: https://meet.google.com/exu-ddbt-twq

Zu Heiko Stoff:

https://www.tu-braunschweig.de/pharmaziegeschichte/mitarbeiterinnen/pd-dr-heiko-stoff

Abstract:

Während des neunten kollektiven Hungerstreiks der Roten Armee Fraktion im Winter 1984/85 wurde der in der Justizvollzugsanstalt Celle einsitzende Knut Folkerts im bewusstlosen Zustand an die martialisch bewachte Medizinische Hochschule Hannover gebracht und dort intensivmedizinisch behandelt. Eine entscheidende Frage lautete dabei, ob er, nachdem er sein Bewusstsein wieder erlangt hatte, freiwillig in ärztlicher Behandlung blieb. Die mit der Behandlung betrauten Ärzte hatten zu beweisen, dass sie den freien Willen der Hungerstreikenden anerkannten. Zugleich mussten sie Folkerts aber auch dazu bringen, zumindest  temporär von der Rolle des kompromisslosen Militanten in die des verständigen Patienten, von der Non-Compliance zur Compliance zu wechseln. Dieses mikrohistorisch dargestellte Szenario stellt genau jenen Moment dar, an dem das in den 1980er Jahren auch politisch etablierte ethische Prinzip von Willensfreiheit und Selbstverantwortung als eine neue Machtform in einer medizinisch prekären und rechtsstaatlich brisanten Situation gerade anhand der Gruppe der hungerstreikenden Militanten exemplifiziert wurde, deren Autonomie bis dato suspendierbar erschien.

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