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13:00-13:15       Eröffnung

Ulf Hashagen / Helmuth Trischler (Deutsches Museum)

13:15-13:45       Ingenieur-Geist und Geistes-Ingenieure: Künstliche Intelligenz und Kognitionswissenschaft  

Helen Piel, Rudolf Seising (IGGI-Team, Deutsches Museum)

Wir werden eine Einführung in die Tagungsthemen (sowohl des deutschsprachigen ersten Tages als auch der englischsprachigen letzten Tage) geben. Dabei werden wir kurz das Projekt „IGGI: Ingenieur-Geist und Geistes-Ingenieure. Eine Geschichte der Künstlichen Intelligenz in der Bundesrepublik Deutschland“ vorstellen und zuletzt die Beziehungen zwischen den Forschungsbereichen KI und Kognitionswissenschaft skizzieren.

13:45-14:30       Andere Intelligenzen? Gemeinsame und getrennte Geschichten von Tierintelligenz und Künstlicher Intelligenz

Susanne Schregel (Fellow des Historischen Kollegs München)

Die Unterscheidungen und Abgrenzungen, die in der Auseinandersetzung um Intelligenz getroffen wurden, und die Lebewesen und Dinge, auf die diese sich richteten, veränderten sich im Laufe der Zeit immer wieder. Avancierte die Maschine in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zum paradigmatischen Beispiel, an dem sich die Möglichkeit nicht-menschlicher Intelligenzen kristallisierte, so war es im späten 19. Jahrhundert das Tier. In diesem Zeitraum stießen Kontroversen um die Evolution und die Abstammung des Menschen in Großbritannien, den USA und Deutschland breite öffentliche Debatten um das kognitive Fähigkeitsspektrum von Tieren an, die sowohl in wissenschaftlichen wie in breitenwirksamen Medien geführt wurden.

Der Vortrag bezieht diese Debatten um die Tierintelligenz im späten 19. Jahrhundert auf die Kontroversen um die „maschinelle“ beziehungsweise „künstliche Intelligenz“ in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Dadurch wird deutlich, wie sich die Wahrnehmung „künstlicher Intelligenz“ in eine längere Geschichte der „anderen“ Intelligenzen einreihte. Fluchtpunkt sowohl der Tierintelligenzfrage wie der Kontroversen um die „künstliche Intelligenz“ bildeten Grenzverhandlungen zwischen Menschen und anderen Entitäten, die im Rückgriff auf variable Kriterien des Kognitiven geführt wurden, und die sich auch im Streit um die Methoden der Feststellung von Intelligenz manifestierten.

14:30-15:15        Künstliche Intelligenz im Trans- und Posthumanismus. Eine philosophische Reflexion

Janina Loh (Stiftung Liebenau)

Im ersten Teil dieses Vortrages werde ich in der gebotenen Knappheit die drei Strömungen des Transhumanismus, technologischen und kritischen Posthumanismus vorstellen, ihre jeweiligen Ziele und Vorgehensweisen, um diese zu erreichen, skizzieren. Im zweiten Teil bespreche ich die Rolle der künstlichen Intelligenz (KI) in den genannten drei Strömungen und unterziehe sie darüber einer philosophischen Reflexion und Kritik. Ich beschließe den Vortrag mit einem Plädoyer für mehr Sensibilität und ein gesteigertes Bewusstsein für die ethischen Fragen, die sich in der Entwicklung von Technik einstellen.

15:15-15:30        Pause                  

15:30-16:15        Verteidigung des Menschen. Was menschliche und künstliche Intelligenz unterscheidet

Thomas Fuchs (Universität Heidelberg)

Mit den Fortschritten der künstlichen Intelligenz, der Digitalisierung der Lebenswelt und der Reduzierung des Geistes auf neuronale Prozesse erscheint der Mensch immer mehr als ein Produkt aus Daten und Algorithmen: Wir begreifen uns selbst nach dem Bild unserer Maschinen, während wir umgekehrt unsere Maschinen zu neuen Subjekten erheben. Gegen diese Selbstverdinglichung des Menschen wendet sich ein Humanismus der Verkörperung: Unsere Leiblichkeit, Lebendigkeit und unser Selbstverhältnis unterscheiden uns grundlegend von allen Erzeugnissen künstlicher Intelligenz.

16:15-17:00        Animierte Intelligenz, oder: Was ist schon ‚künstlich‘ an künstlicher Intelligenz?

Clemens Apprich (Universität für Angewandte Kunst Wien, Centre for Digital Cultures der Leuphana Universität Lüneburg)

Die Ausrichtung künstlicher Intelligenz an der Geschichte der Gehirnforschung, wie sie nicht zuletzt in aktuellen Debatten erfolgt, ist zutiefst problematisch. Der in der Neurowissenschaft historisch verankerte Konnektionismus, also die Annahme, dass sich Intelligenz auf ihre hirnphysiologische Verdrahtung reduzieren ließe, erfreut sich mit der Wiederentdeckung künstlich neuronaler Netzwerke großer Beliebtheit. Mein Vortrag folgt den Spuren einer solch biologistischen Bestimmung von Intelligenz und stellt ihr kreative, das heißt tatsächlich ‚künstliche‘ Vorstellungen gegenüber. Aufbauend auf einer psychoanalytisch inspirierten Medienkritik von KI, möchte ich die Materialitäten, Prozesse und Techniken in den Blick nehmen, die benötigt werden, um intelligentes Verhalten hervorzubringen. Nicht die Simulation, sondern die Animation von Intelligenz rückt dabei in den Mittelpunkt.

17:00-17:30        Pause   

17:30-18:15        KI-Entwicklung im deutsch-deutschen Vergleich – zwischen Kaltem Krieg und deutscher Innovationskultur

Rebekka Roschy (Technische Universität Dresden)

KI begann sich in Deutschland zu der Zeit zu etablieren, als mit der Bundesrepublik und der DDR zwei Staaten mit unterschiedlicher politischer, wirtschaftlicher und weltanschaulicher Ausrichtung existierten. Dieser historische Sonderfall erlaubt eine besondere deutsch-deutsche Vergleichsperspektive auf die Entwicklung von KI.

So lässt sich einerseits die systembedingte Differenz des Einflusses auf Forschung und Technologieentwicklung nachvollziehen, andererseits zeigen sich durchaus parallele Entwicklungspfade. Hier sind Konzepte der (nationalen) Pfadabhängigkeit und der „Innovationskultur“ geeignet, Gründe für Persistenz und Kontinuitäten, aber auch für Brüche zu verdeutlichen.

Der Beitrag umreißt die Meilensteine der KI-Entwicklung in der Bundesrepublik und der DDR. Für beide Staaten spielte ihre Position innerhalb der Ost-West-Konfrontation eine wichtige Rolle. Die Bundesrepublik war ab den 1960er Jahren bemüht, die „technologische Lücke“ gegenüber den USA zu verringern. Die DDR hingegen konnte kaum von ihrer Zugehörigkeit zum Ostblock profitieren, so dass auch hier die Entwicklung des Westens, insbesondere die der „Referenzgesellschaft“ Bundesrepublik, ein wichtiger Bezugspunkt blieb.

Welche Auswirkungen die internationale Konstellation, politische und wirtschaftliche Faktoren auf die Entwicklung von KI in beiden Teilen Deutschlands hatten, aber auch die Frage einer spezifisch deutschen KI-Ausprägung, soll anhand eines verflechtungsgeschichtlichen Ansatzes betrachtet werden.

18:15-18:30        Pause

18:30-20:00        Rückblicke KI und Kognitionswissenschaft in der Bundesrepublik (Podiumsdiskussion)

Podium: Sybille Krämer, Jörg Siekmann und Werner H. Tack

Moderation: Manuela Lenzen

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