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Verleihung des Publikationspreises für das Jahr 2020

In diesem Jahr konnte die Verleihung der Publikationspreise aufgrund der aktuellen Corona Lage nur im kleinsten Kreis der Jury und der Preisträgerinnen und Preisträger stattfinden.

Am 30.11.2021 überreichte Prof. Dr. Helmuth Trischler im Namen der Jury die Publikationspreise für im Vorjahr am Deutschen Museum oder den kooperierenden Universitätsinstituten entstandene Veröffentlichungen, die von hoher Qualität und in ihrer Art vorbildlich sind.

Die Jury, Prof. Dr. Helmuth Trischler, Prof. Dr. Wolfgang M. Heckl, Ulrike Leutheusser und Prof. Dr. Kärin Nickelsen, hatte die Preisträgerinnen und Preisträger in ihrer Sitzung vom 21. September 2021 einstimmig ausgewählt.

Der Preis in der Kategorie Bildung wurde in diesem Jahr gleich zweimal vergeben. Dr. Matthias Röschner und Dr. Heinz Peter Brogiato erhielten die Auszeichnung für ihren Band Koloniale Spuren in den Archiven der Leibniz-Gemeinschaft. Halle: Mitteldeutscher Verlag, 2020.

„Das prekäre Erbe des Kolonialismus in den Ausstellungen und Sammlungen der ehemaligen Kolonialstaaten ist ein Thema, das wie kaum ein anderes die internationale Museumswelt und die Kulturwissenschaften bewegt. Die transparente Erforschung der Provenienz kolonialer Objekte ist nicht nur notwenige Voraussetzung für die Erörterung möglicher Restituierungen im Dialog mit den Herkunftsgesellschaften, sondern auch ein wichtiger Baustein für einen intensivierten Diskurs zwischen Globalem Norden und Globalem Süden über politische, gesellschaftliche und kulturelle Verflechtungen in Geschichte, Gegenwart und Zukunft.
Es ist das besondere Verdienst des Archivs des Deutschen Museums, die Gründung eines eigenen Arbeitskreises der Leibniz-Archive kraftvoll vorangetrieben und durch kooperative Forschungsprojekte untermauert zu haben. Dieser fruchtbaren Zusammenarbeit verdankt sich auch der vorliegende Band. Er zeigt auf, dass der Kolonialismus in den Archiven der Mitgliedseinrichtungen der Leibniz-Gemeinschaft vielfältige Spuren hinterlassen hat, denen systematisch nachzugehen sich überaus lohnt. Die beiden Herausgeber haben eine ebenso lebendige wie facettenreiche Komposition von Beiträgen zusammengestellt, die tiefe Einblicke in die koloniale Vergangenheit Deutschlands und deren Fortleben weit über die Epoche des Kolonialismus hinaus bietet. Lebendig geschrieben und hervorragend illustriert adressiert dieser vorbildliche Band breite Leserkreise. Die Jury wünscht ihm eine hohe Resonanz und freut sich auf weitere Produkte der intensiven Zusammenarbeit mit den Archiven der Leibniz-Gemeinschaft.“

 

Der zweite Bildungspreis ging an Irina Fritz, Dr. Lorenz Kampschule und Traudel Weber sowie an Jutta Esser, Claudia Hellmann und Dr. Katrin Mönch vom Verlag Deutsches Museum für das Buch Das Deutsche Museum. Von Oskar bis zum großen Umbau. München: Deutsches Museum Verlag, 2020.

„Kinder sind traditionell eine wichtige Zielgruppe des Deutschen Museums. Die für dieses wichtige Besuchersegment spezifischen Angebote reichen vom Kinderreich über Schülerbögen bis zur Kinderseite von Kultur & Technik. Ein Kinderbuch mit Rätseln, Spielen und Experimenten, vor allem aber mit spannenden Geschichten ist freilich ein Novum im Wissenskosmos und Bildungsportfolio des Hauses. Der großartig illustrierte Band nimmt Kinder auf eine Reise durch die Geschichte und Gegenwart des Museums mit und bietet spannende Blicke hinter die Kulissen. Darüber hinaus sind die zahlreichen Berufsporträts, von der Restauratorin bis zum Generaldirektor, ein Highlight des Bandes. Hinter den beiden Preisträgerinnen und dem Preisträger stehen – wie bei fast allen Projekten des Deutschen Museums – zahlreiche Kolleginnen und Kollegen, ohne deren tatkräftige Unterstützung dieses Buch nicht hätte entstehen können, namentlich Jutta Esser als Grafikerin und Dr. Kathrin Mönch als Leiterin des Verlags. Mit diesem wunderschönen Band ehrt sich das Deutsche Museum somit gleichsam selbst: für seine Fähigkeit, durch Engagement, Kreativität und Teamwork immer wieder Neues entstehen zu lassen.“
 

Dr. Stefanie Dufhues-Blasi freute sich über den Forschungspreis für ihr Buch Fotografie konstruierter Sichtbarkeit. Bildpraxis der Mikrofotografie von den ersten Versuchen bis ins frühe 20. Jahrhundert. Leiden etc.: Wilhelm Fink, 2020.

„Über die "Richtigkeit" und "Wahrheit", „Objektivität“ und „Authentizität“ der Fotografie ist seit der Entstehung des Mediums im 19. Jahrhundert viel diskutiert und geschrieben worden. Die Frage der Naturtreue und Beweisfähigkeit von technisch erzeugten Bildern stellt sich dabei in zugespitzter Form für die Mikrofotografie als Methode der Wiedergabe mikroskopischer Beobachtungen. Die Arbeit zeichnet die theoretischen Auseinandersetzungen mit der Mikrofotografie in der Wissenschaft in großer Breite nach. Vor allem aber rekonstruiert sie die Praxis der Mikrofotografie: die Entstehung der Aufnahmen; ihre Bearbeitung für die Publikation; das Zusammenspiel von Fotografie, Text und Zeichnung; und schließlich ihre Verbreitung innerhalb und außerhalb der Wissenschaft.
Diese sehr eindrucksvolle Studie geht auf die Dissertation der Autorin zurück, die aus einem Projekt im Rahmen des Leibniz-Wettbewerbsverfahrens zum Thema „Visual History“ hervorgegangen ist, bei dem das Deutsche Museum eng mit dem Zentrum für Zeithistorische Forschungen in Potsdam kooperierte. Mit dieser Arbeit hat sich Frau Dr. Dufhues-Blasi für eine Karriere als Kuratorin für Foto + Film im Deutschen Museum qualifiziert. Besser kann die Ausbildung von hochqualifiziertem wissenschaftlichen Nachwuchs im Museum nicht laufen.“